Zschokke , Heinrich Das Goldmacherdorf www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Heinrich Zschokke Das Goldmacherdorf 1. Wie Oswald aus dem Kriege kommt und was die Leute sagen . An einem Sonntag Nachmittag saßen im Dorfe Goldenthal die jüngern Knaben und Mädchen unter der alten Linde und sangen , oder lachten , wenn Einer aus dem Wirthshaus hervorstolperte , der zu tief ins Glas geschaut hatte . Die andern Bauern mit ihren Weibern saßen in drei Wirthshäusern , und tranken und spielten , und jauchzten oder balgten , wie es denn nun so geht , wenn Wein und Bier wohlfeil sind . Da kam ein großer starker Mann ins Dorf . Er mochte in den Dreißigen sein , hatte einen grauen Rock an , einen langen Säbel an der Seite , auf dem Rücken einen Habersack . Er sah gar wild drein , denn er trug über der Stirne eine große Narbe , und unter der Nase einen schwarzen Schnurrbart , daß alle Kinder davonliefen . Aber ein Paar alte Frauen , die er anredete , erkannten ihn sogleich , und schrien : » Ei das ist ja Schulmeisters Oswald , der vor siebenzehn Jahren unter die Soldaten ging . Nein , schaut auch , wie ist er gewachsen und groß geworden ! « Und wie die Weiber so schrien , kam Alt und Jung aus den Wirthshäusern und von der Linde herbeigelaufen , und bald war das ganze Dorf um den Oswald versammelt . Oswald gab allen seinen ehemaligen Bekannten die Hand , war sehr freundlich mit Allen und sagte , er wolle nun wieder bei ihnen in Goldenthal wohnen , habe des Soldatenlebens satt , und sei froh , mit dem Leben davongekommen zu sein . Nun wollte ihn Jeder in ein Wirthshaus ziehen , der Eine links , der Andere rechts : man müsse eins zum Willkommen trinken ; er müsse von den Kriegsgeschichten erzählen . Oswald aber dankte ihnen und sprach : » Ich bin vom Wandern müde und will ausruhen . Wer wohnt in meines verstorbenen Vaters Haus , und wer besorgt die Aecker desselben ? « Alsobald trat der Müller hervor und sagte : » Ich habe den Weber Steffen hineingethan , und ihm Haus und Feld in Zins gegeben . Nun aber muß er ausziehen , da du wiedergekommen bist . Der Gemeindsrath hat mich zum Vogt gesetzt über dein Gütlein . Kannst ein paar Tage bei mir herbergen , bis Webers ausziehen und andere Wohnung haben . Da will ich dir auch Rechnung ablegen . « Also ging der Müller mit seinem Gast zur Mühle und ließ ihm ein gutes Nachtessen und ein gutes Bett bereiten . Oswald hatte aber viel zu fragen nach dem und diesem , wie es seitdem im Dorfe ergangen sei ; und der Müller und seine Frau hatten viel zu antworten . So plauderten sie bis Mitternacht in der Mühle . Und Oswald sah immer über den Tisch hinüber nach des Müllers zarter Tochter , die hieß Elsbeth . Und es war wohl der Mühe werth , ihr in die schwarzen Augen zu sehen , denn Elsbeth war schön . Elsbeth aber sah ihrerseits auch gern über den Tisch hinüber , denn Oswald war ein hübscher Mann , wenn man sich einmal an seinen erschrecklichen Schnurrbart gewöhnt hatte , und in seinen Geberden hatte er etwas Zierliches und Gefälliges , als wäre er ein Herr aus der Stadt gewesen . Darum scheute sie sich , mit ihm zu reden , und wenn er sie ansah , wußte sie nicht , wohin mit den Augen fliehen . Doch sagte sie ihm etwas vom Schnurrbart . Und als er folgenden Morgens zum Frühstück kam , war unter seiner Nase der Schnurrbart schon verschwunden . Oswald hätte Zeitlebens in der Mühle wohnen mögen , denn der Müller und seine Frau waren gute Leute , und der Elsbeth sah die Güte hell und klar aus den Augen . Aber nach acht Tagen schon konnte Oswald in das kleine Haus seines Vaters einziehen und nach seinen Feldern sehen . Er hatte fünf Juchart Baumgarten mit Wiesen und fünf Juchart Ackerland ; dazu kaufte er sich eine schöne Kuh aus den vom Vogt ersparten Zinsen . Und weil das Haus alt und zerfallen war , erhielt er Holz und Steine von der Gemeinde . Da ließ er alles ausbessern , weißen und hobeln und waschen . Er selber mauerte , handlangte , fegte vom Morgen bis in die Nacht , damit es schön werde , und ihn doch nicht viel koste . Im Herbst war sein kleines Haus das sauberste und schönste im ganzen Dorf , mitten in einem Garten am Bach . Und der Garten war schön , wie einer in der Stadt . Er hatte sogar in die Wege zwischen den Beeten Sand und Grien getragen . Er hatte es gern , wenn Müllers Elsbeth zuweilen über den grün angestrichenen Hag in den Garten sah ; sie hatte ihm auch Blumen beigesteuert , und versprach ihm zum Frühjahr noch mehr . Die Leute zu Goldenthal wußten lange nicht , was aus dem Oswald machen ? Er war so arm aus dem Kriege gekommen , als er hineingezogen war , das sahen sie wohl . Er hatte eine Kiste aus der Stadt bekommen mit Kleidern und Wäsche ; sogar Bücher hatten darin gelegen . Das war sein Reichthum . Aber des Geldes wegen mochte die Kiste nicht schwer gewogen haben . » Laßt ihn laufen ! « sagten die Einen : » Er ist ein armer Teufel , und ein dummer Teufel dazu , der im Kriege seine Sache nicht verstanden hat zu machen . Nicht einmal Sonntags kann er ins