Fouqué , Caroline de la Motte Magie der Natur www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Caroline de la Motte Fouqué Magie der Natur Eine Revolutions-Geschichte Erstes Buch Erstes Kapitel Um die Zeit der großen Französischen Revolution sah man , noch mehrere Jahre hindurch , an den Ufern der Rhone , im südlichen Burgund , ein höchst prachtvolles , alterthümliches , Schloß sein unerschüttertes Dasein behaupten , während unscheinbare Besitzungen längst der freigegebenen Willkühr weichen mußten . Sein Bewohner , der Marquis von Villeroi , blieb untheilnehmend , und deshalb unangefochten in Mitten der dammlosen Fluth ; und Mauern und Zinnen spiegelten sich ruhig in der königlichen Rhone , die , ihren jähen Sturz gleichsam bereuend , sich plötzlich hier in scharfer Beugung westlich wendet . Sie netzte in silbernem Wellenschlag die Wurzeln uralter Bäume , die , eine zweite Wehr , den hohen Wall in doppelten Reihen einfaßten . Ueber ihren Wipfeln spielten die Fahnen vieler kleinen Thürme ihr bewegliches Spiel mit den wechselnden Winden fort , während die alte Thurmuhr in gemessenem Takt den Pulsschlag des verhängnißvollen Lebens angab . Der Marquis hatte Jahrelang ihren Stundenwechsel in tiefer Einsamkeit gezählt , ohne in die große Reibung des Aussenlebens hineingezogen zu werden . Sein Gemüth war früher auf andere Weise getroffen . Ein Schüler Mesmers , rang er mit durstiger Seele nach dem geheimnißvollen Zusammenhang der Dinge . Von dämmernder Ahndung getrieben , dem Wunderbaren ganz rücksichtslos offen , ohne Sinn für das größte Wunder der Welt , Gott in den Dingen , ja ohne Ehrfurcht vor dem Gesetzlichen in der Wissenschaft , und deshalb ohne ruhiges Entfaltungsvermögen , griff er rasch in das aufgerollte Netz , dessen Schlingen sich eben so plötzlich über ihm zusammenhakten und ihn gefangen hielten . Durch jede Bemühung , sich Luft zu machen , rankte er sich nur fester hinein . Er wollte das große Räthsel mit einem Schlage lösen , aber es ging ihm wie solchen , denen das Wort entflieht , wie sie es auszusprechen im Begriff sind . In dieser Verwirrung strebte er sich und seinen Meister zu überfliegen . Und als im Jahre 1779 seine Gattin , die er aus glühender Liebe in seinen leidenschaftlichen Wirbeln verstrickt hielt , im Wochenbette starb , nachdem sie ihm ein schönes Mädchenpaar geboren hatte , und der geheimnißvolle Magnet die schwindende Lebenskraft nicht fesseln konnte , ja sie vielleicht gewaltsam zerbrach , riß sich der Marquis aus den zauberischen Banden heraus , floh die Schule der Harmonie , Paris und die Welt , und begrub sich in diesem Schlosse , dessen Stifter ihn , Mütterlicher Seits , mit dem Königsgeschlecht der Burgundionen verband . Zu Anfang glaubte er sein Lebensgeschäft abgethan , dessen Ziel verfehlt . Was er gewollt und nicht gewollt , jegliches Streben , das ganze Dasein , ward ihm ein Hirngespinnst , jede Thätigkeit ein lästiges , zweckloses Spiel der Kräfte , dessen er sich entschlagen zu müssen glaubte , um die thörigen Triebe nicht abermals an den äffenden Gaukeleien abzuarbeiten . So brach er jeden Verkehr mit befreundeten Menschen ab , und schob selbst die Sorge für seine Kinder in fremde Hände ; indem er sie mit einer Ruhe , die weder Glaube , noch absolute Verzweiflung , war , in einem nahen Kloster erziehen ließ . Die Einsamkeit lockte indeß langsam seine eigenste Natur aus dieser Scheinvernichtung hervor , und führte sie , durch manchen wunderbaren Ruf angeregt , wieder in die alte Kreise zurück . Zweites Kapitel Der Marquis pflegte mehrere Stunden des Tages in einer langen Gallerie , welche den östlichen Flügel des Schlosses mit dem westlichen verband , auf und abzugehen , und sein lebensmüdes Auge an dem bunten Schmelz der farbigen Bogenfenster zu laben , deren purpurrothe , goldgelbe , grüne und dunkelblaue Scheiben zwar einen unkenntlich machenden , aber deshalb magischen , Schein auf die dahinter liegende Landschaft warfen , und die Gegenstände , in dem veränderten Lichte der Traum- und Geisterwelt des Marquis , näher rückten . Vorzüglich nahmen sich der Strom und die darüber hinziehenden Wolkenbilder seltsam aus , jenachdem das Auge ihnen zufällig in einem bestimmten Farbenton , oder durch die gebrochene Lichter dicht aneinandergränzender Glasflächen , begegnete . Wie oft wohl Klänge an den verschlossenen Kammern der Seele vorüberrauschen , Riegel und Pforten vor ihnen zusammen stürzen , und alle liebe Bilder der Vergangenheit sich plötzlich , wie freigelaßen , in wehmüthiger Eil zum Herzen drängen , so rührte hier der bewegliche Strahl des Lebens an die dunkle Innenwelt , und der Farben Gluth schmolz langsam die nächtige Decke hinweg . Der Marquis fand sich angenehm in der ungehofften Verjüngung überrascht ; denn unversehns war alles wieder wie sonst in ihm , Fragen , Wünsche , Erwartungen , alles gewann dieselbe Richtung , dieselbe Gewalt der Leidenschaft , das gleiche Steigern des Zieles . Nur , daß ihn eine geheime Scheu vor äußrem Mißlingen und jeder geselligen Gemeinschaft zu immer verborgenerm Umgang mit dem Geheimnißvollen trieb , und seinem Thun und Erscheinen ein fremdes , ja unheimliches , Ansehn gab ; wozu ein gänzlich vernachläßigter Anzug , oder , bei einzelnen , feierlichen , Momenten , ein wunderlicher Aufputz , theils veralteter Pracht und steifer Festlichkeit , theils eigenthümlicher Zusammenstellung der Kleidung , vieles beitrug . So war er gewöhnlich mit einem langen Schlafrock von chinesischem Stoffe angethan , den ein breiter Gurt über den Hüften zusammenhielt , ein großer ziemlich verrosteter Schlüssel sah aus diesem hervor ; um den ganz unbedecktem Hals trug er , an einer langen Haarschnur , etwas , das in einem seidnen Beutelchen nach Art geweiheter Amulete , verdeckt war . Die weiten Aermel streifte er , indem sie ihm , bei