Fouqué , Caroline de la Motte Die Frau des Falkensteins www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Caroline de la Motte Fouqué Die Frau des Falkensteins Ein Roman in zwei Bändchen von der Verfasserin des Rodrich Erstes Bändchen Zueignung Mit der Bescheidenheit gesenkter Wimper Tritt vor die hohe , königliche Herrin Die Frau des Falkensteins verlegen hin . Sie fühlt sich ihr genaht durch das Geschlecht , Das zarte , weibliche , dem sie gehört ; Genaht ihr , weil auch sie den Namen trägt , Den unsre Königin ihn führend ehrt . Doch ach , wie fern , wie fern in Allem sonst ! Mich Frau des Falkensteines traf der Himmel Barmherzig , aber strafend , mit Gewittern , Abbrennend mir des schwachen Herzens Schuld . Und wenn auch um die schöne Königin Gewitter einst sich hoben , Blitze zuckten , So war es nur glorreiches Prüfungsfeuer , Aus dem das Gold , vorher schon rein und klar , Gleich rein und klar hervorgeht , unverwandelt . Daher auch scheidet streng ' sich meine Bahn Von jenen seegensreichen , freud ' gen Wegen , Zu denen trüb ' mein Blick hinüberstreift . Ich , aus des Unheils Gluthen kaum gerettet , Trat still ergeben in die Klosterwelt Der Abgeschiedenheit und der Entsagung ; Kein zartes Kind hat Mutter mich gegrüßt . Der Herrin blüht nach finstrer Wetternacht Ein Frühlingsmorgen wundersam hervor , Als holde Kinder leuchten um sie her Viel künft ' ge Helden , rühmliche Regenten , Und künft ' ger edler Frau ' n ein schöner Kreis . O , reicher Seegen zeigt sich meinem Blick In ferner Jahre labendem Gefild ! Was Deine Völker beten , hohe Kön ' gin , Dein Heil und Deines Stamm ' s , es wird erhört , Denn Reinheit , frommer Muth und edle Huld , Die in der Prüfungszeit Dich treu umwallten , Sie bringen nun des gottgesandten Lohnes Frischlaub ' ge Kränz ' aus Paradiesesland . Erstes Buch Komm , ich bitte Dich , rief Mathilde , indem sie ein verhülltes Körbchen in die Höhe hielt . Wüßtest Du - Luise flog den Lindengang hinunter , in dessen Schatten die geliebte Mutter , durch kränkelndes Unvermögen gehalten , sie unruhig erwartete . Der Wind strich spielend durch die Zweige und hob das Tuch , ehe noch Luise jenes geheimnißreiche Körbchen ergreifen konnte . Ein reiches Stirnband blitzte ihr wie tausend Liebesblicke daraus entgegen . Geschenke von Julius , rief sie , und sank überrascht zu den Füßen der Mutter , die behaglich die hellen Steine zwischen den braunen Locken der Tochter spielen ließ . Luise küßte gerührt die schönen Hände , die so oft in lieber Ungeduld ihre Lippen streiften . Das schwindende Leben in Mathildens Zügen , ihr naher Tod und der bräutliche Schmuck , der so sichtlich auf die kommende Feier hindeutete , alle Freuden ihres jungen Lebens und der ernste Wechsel desselben , das ganze wunderbare Gewebe der Zukunft schien sich in den Steinen zu spiegeln , die sie schnell wieder verbarg , indem sie bittend sagte : noch nicht , beste Mutter , noch nicht ! und als habe sie das goldne Band gedrückt , so strich sie die Locken aus der Stirn und ließ sich anmuthig von den streifenden Lüften kühlen . Wie seltsam ! sagte die Mutter , sie unruhig betrachtend , Du fragst nicht einmal , wie Dir die reichen Gaben kommen , und ob sie nicht irgend ein geliebtes Wort begleitet ? So , - fiel Luise zerstreut ein : hat er geschrieben ? Ja lies nur , du unstätes Kind , erwiederte Mathilde , indem sie ihr ein offnes Blatt hinreichte . Luise ward bei dem Anblick der festen , sichren Schriftzüge , die ihr den gehaltnen Sinn des ernsten Mannes so klar aussprachen , plötzlich gesammelt , und eine innre Aengstlichkeit kaum beachtend , gab sie sich gern dem Dank und der Rührung hin , die folgende Worte in ihr erregten . » Ihre Hand , geliebte Mutter , möge meine Luise mit dem Schönsten zieren , was ich für sie auffinden konnte . Sah ich doch immer mit Entzücken , wie sich das mütterliche Auge in dem Glanz des aufblühenden Kindes belebte , und wie jedes Gefühl durch diese heilige Liebe erhöht wird . Darum lege ich auch heute all mein Wünschen und Hoffen einzig an Ihr Herz , und bitte Sie , es so erfreulicher vor Luise hintreten zu lassen . Liebe Mutter , mich quält so oft der Gedanke , daß ich überall nicht fähig sei , ein weibliches Gemüth zu beglücken , am wenigsten ein solches , das sich im zartesten Liebeshauch erschloß . Der schwerfällige Ernst unsrer Altväter , der auf mir und meinen düstren Umgebungen ruht , und den die Gluth meiner italienischen Mutter nur im Innern , wie eine zuckende Flamme , durchbricht , läßt mich so wortarm , so schroff , wo ich voll Liebe die Menschen an meine Brust drücken und das tiefste innerste Leben ausweinen möchte ! Oft ist es grade das Gefühl dieser äußren Starrheit , was meine Zunge lähmt und mich in wildem Unmuth über die Welt und mich selbst hinaustreibt . Und wie ich dann so einsam hier im dunklen Harzwalde auf mich und den uralten Sitz meiner Ahnen blicke , und es inne werde , daß so wenig modische Macht dem alten Falkenstein ein heitres Ansehn geben konnten , auch mich Jahre langes Reisen und ein bewegliches Leben unter fremdem Himmel unverändert ließen , so denke ich zagend an die lachende Luise und den seltsamen Willen des Schicksals , das uns beide verband . Sie sehen , der wunderliche Knabe blickt noch überall