Fischer , Caroline Auguste Der Günstling www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Caroline Auguste Fischer Der Günstling Von der Verfasserin von Gustavs Verirrungen und der Honigmonathe Ich bin angekommen . Ob sie ihrem Rufe entspricht ? O ja ! viel Geist , viel Würde , und dennoch viel Milde - mehr als ich erwartete - dann aber auch viel Selbstvertrauen . Das ist kein Tadel . Was wäre sie , was wären ihre Völker , wenn sie es nicht hätte ? Sie nennen sie Mutter , und thun Recht daran . Sie ist es ; freylich mehr dem Sinne , als der That nach , die leider nur selten ihre That ist . Nun so bin ich dann hier , und bin ausgezeichneter empfangen worden , als ich wünschte . Die Sorge für meine Wohnung war überflüßig . Mein Haus steht leer . Ich habe auf ihren ausdrücklichen Befehl im Pallaste bleiben müssen . Auch meine Leute sollten mit andern vertauscht werden . Diesem ausdrücklichen Befehle habe ich aber ein ausdrückliches Verlangen entgegen gesetzt , und so ist der Befehl nicht vollzogen worden . » O Herr ! « - rief Wilhelm - » welch fürchterliche Pracht ! welche unendlichen Zimmer ! Man erschrickt vor seinem eigenen Fußtritte . « Ja wohl ! ehrlicher Wilhelm ! Man erschrickt vor seinem eigenen Fußtritte . - Schwermüthig ? Nun ja ! aber ich thue meine Pflicht . Mit leichtem Herzen ? Das habt Ihr gewiß nicht erwartet . Heiterkeit ! wer kann sich am Hofe der Heiterkeit rühmen ? Verlangt nur keine unmöglichen Dinge . Mit euren Briefen seyd vorsichtig . Sie werden geöffnet . Vielleicht auch die Meinigen . Vielleicht ? - Ohne Zweifel ! Dieses Paket , welches zugleich die verlangten Papiere enthält , wird durch einen Reisenden besorgt . Ihr schreibt nun nicht eher , bis Ihr von Wilhelm eine Addresse bekömmt . Er hat Anverwandte in der Hauptstadt , ehrliche Bürger , und wird prüfen , welchen man am sichersten vertrauen kann . Seht ! das ist nun schon die erste Frucht Eures mühseligen Treibens und Drängens ! Nebenwege müssen wir suchen , um uns Gedanken mittheilen zu können . Vergeßt nicht , daß Ihr ' s gewollt habt . - Nein ! keine Vorwürfe mehr ! Es ist wahr ! auch ich hab ' endlich gewollt . Euch reizte der Ruhm , mich reizte die Pflicht . Schön und des Begehrens würdig ist Euer Höchstes , schön und des ganzen Daseyns würdig ist das Meinige . Sollt ' ich geirrt haben ? - Sollte das Eurige auch das Meinige gewesen seyn ? - Ich sehe sie ernten , wo ich säe . - Vielleicht dieß der wahre Grund meines Unmuths - Das sey fern ! Wohlan ! in die Schranken bin ich getreten ; so will ich dann kämpfen bis zu Ende . Wohl gilt es auf Tod und Leben ; aber wahrlich der Tod ist es nicht , den ich fürchte . Und was , was ist es dann ? - Stehe Rede , Plagegeist , der mich wachend und träumend verfolgt ! Was ist es denn ? - Ach du nennst es mir nicht ! und schon übermannt mich wieder die fürchterliche Beklemmung . Fort ! ich will das Gute ! will es mit allen Kräften meines Geistes und Herzens ! wie kann das Böse mir schaden ? - Ihr könnt Recht haben ! Freylich liegt er sehr schwer auf mir , dieser nordische Himmel . Aber die Nebel sind endlich zerstreut , und wir athmen eine reine , erquickende Luft . Mit einer Sorgfalt , die mich ängstigt , ist sie um mein Wohlseyn bemüht . Gestern hatte ich , von Morgens vier Uhr , den ganzen Tag mit drey Secretairen gearbeitet , es schlug fünf , und wir waren nicht fertig . Auf diesen Fall habe ich mir , ein für alle Mal , die Erlaubniß verschafft , nicht zur Tafel kommen zu dürfen . So blieb ich denn auch heute , ohne zu ahnen , dieß werde für etwas Außerordentliches genommen werden . Ich irrte . Nachdem sie zwey Mal meines Befindens wegen geschickt hatte , sagte sie mir heute : sie sey auf dem Punkt gewesen , selbst zu mir zu kommen . Ich fühlte meine Wangen erkalten , dann mein Blut gewaltsam hineinströmen . Sie schien auf irgend eine Antwort zu warten . Vergebens ! Ich verneigte mich tief , und trat schnell , da P .... sich näherte , zurück . Was fragt Ihr ? Versteht sich nicht Alles von selbst ? - Der thörichte Mensch ! daß er des warnenden Gottes in seinem Busen nicht achtet ! Daß er wähnt , irgend ein Anderer verstehe ihn besser , als er sich selbst ! O wäre ich dieser heiligen Stimme gefolgt ! ich wandelte jetzt im Lichte , statt daß nun immer tieferes Dunkel mich einhüllt . Ich werde reden müssen . Sie wird mich zwingen . Warum zitt ' re ich gleich einem Verbrecher ? Ach ich möchte sie schonen - O wehe ! wehe , daß ich in dieses Labyrinth gerathen bin ! Sie scheint mir verändert . Doch wer weiß ! Vielleicht war ich ein eitler Thor . - Wie dem auch sey ! ich athme freyer und danke dem Himmel dafür ; besonders da sich meine Geschäfte täglich vermehren . Gern will ich auf diese Weise mich opfern ; aber meinen Leuten muß ich Erholung gönnen . Ach sie liegen , wie ich , an goldenen Ketten ! Ist es wahr , o Gott ? Ist es endlich dahin gekommen ? Sie , die größeste der Frauen , bittet um meine Liebe !