Fischer , Caroline Auguste Die Honigmonathe www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Caroline Auguste Fischer Die Honigmonathe Von dem Verfasser von Gustavs Verirrungen Erster Theil An die Leser Wie viel Böses man den Leidenschaften auch nachsagen mag ; ohne sie scheint es gleichwohl dem Menschen unmöglich , sich seiner ganzen moralischen Kraft bewußt zu werden . Wer uns demnach irgend eine dieser wohlthätigen Feindinnen treu darzustellen versucht ; darf sich schmeicheln , nichts Überflüssiges unternommen zu haben . Den Versuch habe ich gewagt ; ob er gelungen ist - mögen die Leser entscheiden . Erster Brief Wilhelmine an Julie Nimm Dich in Acht ! Ich sehe die Eitelkeit im Hinterhalte lauschen . - Hat sich freylich auf das Beste herausgeputzt , nennt sich Großmuth , Dankbarkeit , Selbstüberwindung , und was der schönklingenden Titel mehr sind . - Aber noch einmal sage ich : nimm Dich in Acht ! - Gewisse Bäume sind nur zum Abhauen gut ; und gewisse Schäden können nicht mit Honig , sondern nur mit Schierling geheilt werden . - Von mir heute kein Wort . Ich weiß mich zu bescheiden . Zweiter Brief Julie an Wilhelmine So ernst , meine Wilhelmine ? Du könntest mich bange machen . - Großer Gott ! sollte ich mich täuschen ? - Sollte alles vergeblich seyn ? - Aber Geliebte ! jeder Mensch hat ja das Bedürfniß , mit sich selbst einig zu werden . Dieser unglückliche Mann allein sollte es nicht haben ? - Ach glaube mir , meine Einzige ! viele Menschen würden gut seyn , wenn es ihnen das Schicksal erlaubte . Laß uns gestehen , dies war bis jetzt Oliviers Fall . Mit dem französischen Leichtsinne gebohren , von seinen Ältern verzärtelt , von den Weibern wechselweise gemißbraucht und vergöttert , durch seine unersättliche Begierde nach Genuß ins tiefste Elend gestürzt , nun bey dem gänzlichen Mangel an Ergebung gezwungen alle Mittel zum Emporkommen wieder zu gebrauchen . - Sage , wie konnte es anders seyn ? - Dritter Brief Wilhelmine an Julie Ey ! liebes Kind , davon ist ja gar nicht die Rede ! Wer sagt Dir denn , daß sich das alles nicht ganz vortreflich erklären lasse ? - Es frägt sich nur , ob es der Mühe lohne einen Mohren zu waschen ? - und ob man nachher , schwarz oder weiß , mit ihm vorlieb nehmen wolle ? - Das bedenke , mein Täubchen , und laß Dich nicht blenden . Ich weiß recht gut , die Frau Mutter wird alles dazu beytragen . Aus welchen Gründen ? - ist nicht schwer zu errathen . - Mit einem Worte ! man will Dich verhandeln , und zwar so bald und so theuer wie möglich . Ach daß Dein Vater nicht mehr lebt ! es wäre nie dahin gekommen ! - Vierter Brief Julie an Wilhelmine O mein unvergeßlicher Vater ! Wilhelmine ! es war hart , mich daran zu erinnern . Ach wohl war es damals ganz anders ! - Meine Mutter war milder und ich war glücklicher . Ich weiß nicht - es ist seit einiger Zeit so viel Bitteres in ihrem Wesen - und doch verdopple ich meine Aufmerksamkeit , suche ihre leisesten Wünsche zu errathen . - Ach ist es denn meine Schuld , daß wir nicht mehr reich sind ? Gott weiß es ! ich gebrauche ja so wenig , und arbeite vom Morgen bis in die sinkende Nacht . Fünfter Brief Wilhelmine an Julie Ob es Deine Schuld ist ? - Du reines unschuldiges Herz ! Siehst Du denn nicht , was ihr fehlt ? - Alle ihre ausgeworfenen Netze zieht sie leer wieder zurück ; während Du köstliche Lilie , ohne es zu wissen und zu wollen , alles um Dich her versammlest . Und dieser verderbten Frau wolltest Du Dich aufopfern ? Dich einem Mann hingeben , der Dich nicht einmal begreift ! Dich nimmt , weil Du ein Weib bist , und Deinen heiligen Kindersinn , den er jetzt nur duldet , einst auf das schändlichste verspotten und mißbrauchen wird . Julie ! laß Dir rathen ! - sorge doch nicht für die Zukunft ! Was mein ist ja Dein ! und wie oft soll ich Dir es wiederholen ? ich heurathe nicht , und wenn mein Herr Vater das ganze Haus umkehrt . - Sechster Brief Julie an Wilhelmine Was denkt meine Wilhelmine von mir ? - Ich sollte Schuld seyn , daß eins der reizendsten Mädchen einsam verblühte ? - daß es einen glücklichen Mann weniger in der Welt gäbe ? - Nimmermehr ! Auch ist das alles Schwärmerey . Weißt Du noch , wie wir einmal beyde ins Kloster wollten ? - Ach sage was Du willst ! sind wir mit einem Mann nicht glücklich , ohne ihn sind wir es noch weniger . Bedarfst Du keiner Stütze , keines Schutzes ? Bedarfst Du nicht der Mutterfreuden , und gewiß auch der Mutterleiden , um ganz gebildet zu werden ? Bedarfst Du nicht der Härte , der Ungerechtigkeit eines gröber gebildeten Wesens , um Deine ganze Weiblichkeit kennen zu lernen , und in ihrem Heiligthume Deinen Himmel zu bilden ? - Ist es nicht deswegen nothwendig , daß es an Deiner Seite stehe , um die Blicke der Menge anzuziehen ? Wie könntest Du sonst , von allen Welthändeln befreit , in der Stille nur Deiner höhern Bildung leben . Ach sage ! merkst Du denn nicht den Willen der Natur ? - Sie haßt alle plötzlichen Übergänge , darum stellte sie das Weib zwischen den Mann und die glücklicheren Wesen der künftigen Welt . Gewiß ! dahin deuten alle unsere Leiden und Freuden ! Ja sogar