Schlegel , Dorothea Florentin www.digitale-bibliothek.de / ebooks & nbsp ; Diese Datei wurde aus den Daten des Bandes DB125 : Deutsche Literatur von Luther bis Tucholsky mit der Software der Digitalen Bibliothek 5 erstellt und ist nur für den privaten Gebrauch des Nutzers der CD-ROM bzw. der DVD-ROM bestimmt . Bitte beachten Sie die Urheber- und Leistungsschutzrechte der Rechteinhaber der Daten . Dorothea Schlegel Florentin Vom Herausgeber Gern flieht der Geist vom kleinlichen Gewühle Der Welt , wo Albernheiten ernsthaft thronen , Auf zu des Scherzes heitern Regionen , Verhüllt in sich die heiligsten Gefühle : Umweht ihn einmal Äther leicht und kühle , So kann er nimmer wieder unten wohnen ; Und schnell wird jenen Scherz der Ernst belohnen , Daß er sich neu im eignen Bilde fühle . Die Wünsche die dich hin zur Dichtung ziehen , Der frohe Ernst in den du da versankest , Das sei dein eigen still verborgnes Leben ; Was du gedichtet , um ihr zu entfliehen , Das mußt du , weil du ihr allein es dankest , Der Welt zum Scheine scherzend wiedergeben . Laß edlen Mut den weißen Altar gründen , Hoch Phantasie in Purpurflammen wehen , Und Liebe wirst du bald im Zentrum sehen , Wo grün die Feuersäulen sich entzünden ; Durch braune Locken wird sich Myrte winden , Der Freund mit goldnen Früchten vor dir stehen , Die Kinder dann in Blumen zu dir gehen , Mit Ros ' und Lorbeer dich die Schwester binden . - Es war der alten Maler gute Sitte , Des Bildes Sinn mit einem Strich zu sagen , Der den Akkord der Farben drunter schriebe ; So mag auch dieses Bild es kühnlich wagen , Zu deuten auf der Dichtung innre Mitte , In Farben spielend um die süße Liebe . Erstes Kapitel Es war an einem der ersten schönen Frühlingsmorgen . Allenthalben , auf Feldern , auf Wiesen und im Wald , waren noch Spuren des vergangnen Winters sichtbar , und der Härte , womit er lange gewütet ; noch einmal hatte er mächtig im Sturm seine Schwingen geschüttelt , aber es war zum letztenmal . Die Wolken waren vertrieben vom Sturm , die Sonne durchgebrochen , und eine laue milde Wärme durchströmte die Luft . Junge Grasspitzen drängten sich hervor , Veilchen und süße Schlüsselblumen erhoben furchtsam ihre Köpfchen , die Erde war der Fesseln entledigt , und feierte ihren Vermählungstag . Mutig trabte ein Reisender den Hügel herauf . Vertieft im Genuß der ihn umgebenden Herrlichkeit und in Phantasien , die ihn bald vorbald rückwärts rissen , hatte er den rechten Weg verfehlt , und nun sah er sich auf einmal vor einem Walde , den er durchreiten mußte , wenn er nicht gerade wieder umkehren und zurückreiten wollte ; ein andrer Weg war nicht zu finden . Er war lange zweifelhaft . » Jetzt wieder umkehren wäre ein unnützes Stück Arbeit . Wäre ich etwa umsonst hierher geraten ? In diesen Wald kam ich ungefähr auf eben die Weise wie ins Leben ... wahrscheinlich habe ich im ganzen auch des Weges verfehlt . Und wie ? wenn mir auch hier wie dort die Rückkehr unmöglich wäre ? ... Sei meine Reise wie mein Leben und wie die ganze Natur , unaufhaltsam vorwärts ! ... Was mir nur begegnen wird auf dieser Lebensreise , oder diesem Reiseleben ? ... Ich rühme mich , ein freier Mensch zu sein , und dieser Sonnenschein , dieses laue Umfangen , die jungen Knospen , das Erwarten der Dinge , die mich umgeben , ist schuld , daß auch ich erwarte ... und was ? ... War ich doch mit allem bunten Spielzeug schon längst Hoffnung und Erwartung entflohen ! ... Närrisch genug wäre es , wenn mich dieser Weg auch endlich an den rechten Ort führte , wie alles Leben zum unvermeidlichen Ziel . « - Unter diesen Betrachtungen , und Spott über sich selbst , ritt er rasch weiter , fühlte aber endlich sein Pferd ermüden , auch war er selbst durchnäßt vom nächtlichen Regen . Er wünschte jetzt , bald irgendein Obdach zu finden , um einige Zeit ausruhen zu können . - » Hab guten Mut , Schimmel ! wir müssen beide weiter ; billig ist es aber , daß du es jetzt nicht schlimmer habest als ich . « - Hiermit sprang er ab , machte Riemen und Schnallen am Sattelzeuge weiter und führte das Pferd hinter sich am Zaum . Der Schimmel wieherte und stampfte , als wollte er Zeichen seiner Zufriedenheit geben . Sein Führer drehte sich zu ihm herum , stand still , legte seine beiden Hände an den Kopf des Pferdes und blickte es ernsthaft an . - » Laß dich umarmen , Schimmel « , sagte er , » du bist ein königliches Tier ! ein Tier für Könige ! Was fehlt uns beiden , um in der Geschichte verewigt zu werden , du als ein Muster der Treue und Unterwürfigkeit , ich als ein Beispiel von menschenfreundlicher Herablassung , als daß ich einen Thron besäße , und du wärest mein Untertan ? Gewiß bist du ganz verwundert und froh , und ohne Zweifel fühlst du dich überaus glücklich , gerade von mir und von niemand anders bis ans Ende deines treuen Lebens geritten zu werden ! Ahndest du etwa , daß ich deine Last bloß deswegen etwas leichter machte , damit du mir nicht völlig unterlägst , und darüber zugrunde gingest , ehe ich dich missen kann ? Ich weiß es freilich , aber du sollst es nie erfahren , denn du sollst glücklich sein ; du sollst , verlaß dich auf meine Wachsamkeit , gewiß nie in dem klugen Glauben gestört werden , daß du in deiner Unvernunft und demütigen Genügsamkeit ein glückliches Tier bist . « - Er ließ den Kopf des Schimmels , und stand gedankenvoll eine Weile an ihn gelehnt . Sein Auge schweifte umher , bald beschaute es die ihn noch umgebenden Gegenstände mit dem innigsten