vorgreifen. An ihm wird es sein, zu richten. Was krumm gewachsen ist, kann er grade biegen, und wenn er mir die hässlichen Flecken von meinem Kleinod nimmt will ichs ihm fürstlich danken.« Hickel verzog das Gesicht und schwieg. Quandt hatte mit gespannter Aufmerksamkeit das Gespräch verfolgt. Wozu der Wortstreit? dachte er; als ob es nicht die leichteste Sache von der Welt wäre, zu erkennen, ob einer ein Spitzbube ist. Man muss die Augen offenhalten, das ist alles; der Gute ist gut, der Böse ist bös, wo liegt da die Schwierigkeit? Ein Übel auszurotten, wenn es sich nicht zu tief eingefressen hat, ist nur eine Frage der Tatkraft und Umsicht. Aber mir scheint, meditierte der Lehrer in seinem stillen Sinne weiter, da sind noch ganz andre Dinge verborgen; die Herren reden nicht von der Leber weg. Und damit traf er wohl das Richtige, wie sich bald erweisen sollte. Er entwickelte dem höflich zuhörenden Lord seine Anschauungen über Moral, über den Verkehr mit Menschen, den Umgang mit Schülern, die Notwendigkeit der Aufmunterung, den Wert der Zensur; alles ein wenig umständlich und verklausuliert, aber einfach, staunenswert einfach; nur die sorgenvolle Miene gab einen Anschein von Schwierigkeit und Philosophie. Der Lord nickte ein paarmal mit dem Kopf, während Hickel entschiedene Zeichen von Ungeduld von sich gab. Dann beim Fortgehen, während Stanhope sich von der Frau verabschiedete, zog Hickel den Lehrer beiseite und flüsterte ihm zu: »Lassen Sie sich nicht ins Bockshorn jagen durch die Reden des Grafen, lieber Quandt. Der gute Graf betrügt sich selber und möchte das Sonnenklare nicht wahr haben. Die Teufelsgeschichte nimmt ihn absonderlich her. Sie leisten ihm einen gewaltigen Dienst, wenn Sie den Schwindler entlarven.« Das war das Merkwort und der Anschlag. Es barg den Kern des Komplotts. Nun, Kaspar, sollst du in ein kleines Städtchen gehen und in ein kleines Haus, sollst in Verborgenheit leben, und die Wände der Welt sollen sich verengen, bis sie wieder zum Kerker werden. Gewalt hat sich der List verbrüdert; der Richter wird richten, was er sieht, und nicht wissen, was er fühlt. Niedrig sollst du werden, damit die Freunde sich in Feinde verwandeln und deine Einsamkeit leichtere Beute des Verfolgers sei. Das Blut soll gegen sich selber zeugen, Licht soll verweslich werden, Frucht soll nicht mehr wachsen, die Stimme des Himmels soll verstummen, und auf die Nacht, denn Nacht wird sein, soll keine Frühe folgen. Ein Kapitel in Briefen Freiherr von Tucher an Lord Stanhope: Seit geraumer Zeit bin ich ohne Nachricht von Eurer Herrlichkeit. Die unsichere Lage, in der ich mich Kaspar gegenüber befinde, veranlasst mich