Unruhen in Johanna aufzutauchen begannen. Er ahnte ganz und gar nichts, dass Johannas sanftes Blicken nur erst wie zufällig noch, aber nicht gleichgültig mehr, über die wachsenden Versunkenheiten des verachtenden, bleichen Poncet hinglitten. Einhart war unter der kindlichen Freiheit Johannas noch vollends wieder zum Traumnarren geworden. Er hatte jetzt gar keine Leidenschaft ans Leben, als die Ergreifung dessen, was sich als Gehalt und Gestalt aus ihm gebar. Das Hinauswachsen im Werk galt ihm alles. Das sonstige Leben nahm er lachend als Zier und Laune, die sich um seine Kunstarbeit froh herumrankte. Bei Doktor Poncet verhielt sich das ganz anders. Poncets Leben war auch durchaus nur ringende Arbeit. »Aber was kommt dabei heraus für mich?« sagte er oft verbittert. Es war kein Verklären und Finden von sich selber, und von dem, was ihm die Stunde je gewesen. Poncet hatte allerlei hinausgegeben. Aber der Wind hatte die Früchte noch immer fortgeführt auf Nimmerwiedersehen. Er lag ewig im Streite mit sich und im Harme um sich. Er sehnte sich beständig, etwas vom eigenen Leben zu greifen, geläutert, wie die Kunst es zu dauerndem Genüsse darbringt. Und Poncet sah das Glück und den Glanz, die Einhart um sich und Johanna wob. Und wahrhaftig, Johanna wuchs jetzt noch mehr zu einem Wunder der Verklärung auch vor seinen Augen. Poncet konnte in diesen ganzen Frühlingsmonaten nur noch nagen und sinnen, wie er aus einem leidenschaftlichen, schwelenden Zwange nach ihr zur Ruhe käme? Aber Johanna war innerlich bestimmt dawider gewesen, dass man ein gemeinsames Ziel für den Sommeraufentalt fände. Und Einhart und Johanna hatten also, wie das Jahr vorher, mit genug ausfüllender Arbeit und frohen Launen allein oben am Meere gesessen. In den letzten Augusttagen kam dann doch Poncet nach. Es war eine sehr warme Zeit. Das Wasser des Meeres lag fast immer spiegelblank, wie eine weite, silberne Scheibe, über die die feinen Unruhen des Lichtes und des Windhauchs in lieblichem Wellengekräusel hinstrichen. Johanna war ein wenig erschrocken gleich, als Poncet kam. Es hatte ihn von daheim fortgetrieben. Es hatte Zerwürfnisse gegeben. Aber Einhart freute sich. Poncet war unerwartet gekommen. Er kam sanft und entschuldigend, fast ein wenig demütig gegen Einhart. Und die ersten Abende saß man gemeinsam auf dem verbleichenden Dünenhügel am Strande. Man sah zu, wie die Dämmerungen über die leuchtenden Wellen hereinsanken, wie durchsichtige Flöre. Man sah, ohne in Minuten Worte zu wechseln, verloren in den nachtlichtenden Nordschein. Und wenn Einhart am Tage malen ging und erhaschen der Welt auf seine Weise, blieb Poncet in gelehrter Arbeit in der Stube im Fischerhause zurück. Da war Johanna in kleinen Betriebsamkeiten oder in dem launigen Leben in Wald und auf den Wiesen