hätte; und schließlich wie der Drache heißt, der in der Mitwelt so verheerend haust, und woraus die Sankt-Georgs-Tat bestehen soll, durch die das Ungetüm zu erlegen sei. »Jeder Mann wird als Sklave geboren. Er muss dienen, ob er will oder nicht, er muss ein vorgeschriebenes Lernpensum durchmachen, soll er nicht drei sondern nur ein Jahr dem Militärzwang unterliegen - und während er dieses Mussjahr dient, heißt er euphemistisch Freiwilliger. Von Freiwilligkeit und Selbstbestimmung sieht man im ganzen Gesellschaftsgetriebe nur wenig. Die Leibeigenschaft ist zwar aufgehoben - aber ist man nicht an die Scholle geklebt, wenn man nicht nach beliebigem Ziel und auf beliebige Zeit verreisen kann, ohne Deserteur zu heißen, und ist man etwa bewegungsfrei, wenn man die Galeerenkugel der Armut schleppt? Wie all diese Ketten zu sprengen seien? Durch die Lösung der sozialen Frage. Dass er diese Lösung hierher mitgebracht habe, in eine fertige Formel gedrängt: so viel törichte Vermessenheit würde man ihm hoffentlich nicht zumuten; er habe nur diese Mahnung zu geben: die soziale Frage muss unablässig, ehrlich, wissenschaftlich studiert, Experimente müssen gewagt werden, so lange bis man die Lösung gefunden hat - der hehre Tempel, das ist die Natur, das ist das Leben selber. Beide so voll der Pracht und der Wunder, der Mysterien und der Schätze. Das Leben mit seiner angeborenen Lust - die Lebensfreude - und das Allerheiligste dazu - die Liebe. Die Natur in ihrer Ewigkeit und Unendlichkeit, in ihrer Allmachtskraft, ihren immerwirkenden Gesetzen und stetem Entfaltungswandel ... Und wie wird dieser Tempel - Natur und Leben, uns als Stätte der Andacht und der Seligkeit gegeben - wie wird der geschändet durch den darin betriebenen Täuschungsschwindel und Lügenschacher! Heraus damit! Zu dieser Reinigung braucht man nur das eine: Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Mit anderen Worten: die Offenbarungen der Wissenschaft zum Dogma, - das stete Forschen nach Erkenntnis und deren mutige Verkündigung zum Kultus - und die unschuldigen Genüsse des Lebens zum Ritus erhoben. Genüsse, auf die alle den gleichen Anspruch haben sollen. Das haben die Kirchen gar wohl verstanden, dass auf ihre Feste und Feiern, auf Gnaden und Verheißungen alle gleich berechtigt sind - auch die Ärmsten und Niedrigsten - ebenso muss in dem Tempel, den ich meine, jeder gleichen Anspruch und Anteil an Lebensfreude haben - auch die Ärmsten und Niedrigsten. Oder vielmehr: Ärmste brauchte es nicht mehr zu geben, die Erde ist fruchtbar genug, damit keiner darbe - und niedrig darf niemand heißen, der nicht niedrig denkt ... Und nun der Drache -« Rudolf machte eine kurze Pause um sich zu sammeln. Jetzt wollte er das vorbringen, was ihm am tiefsten im Herzen brannte, und von