gefesselten Können ein Riegel sprang! Wenn du wüsstest, wie es gekommen ist -« »Das sollst du nicht erzählen! Nicht jetzt! Es würde dich nur erregen. Und wie soll es gekommen sein? Wie es immer kommt! Das Spiel, das die brave Mutter Natur mit ihren sogenannten Mustergeschöpfen treibt, ist immer das gleiche. Zur Abwechslung ändert sie nur den Stil. Wie ihr die Laune steht, lässt sie den alten Einfall bald als Posse mimen, bald als Trauerspiel. Ich kenne das, Hans! Mehr als mir lieb ist!« »Werner!« stammelte Forbeck. »Das hättest du erfahren? An dir selbst?« Ein kurzes Schweigen. »Ich? Nein! Aber mit fünfzig Jahren hat man sich umgesehen in der Welt.« Werner blickte über den finsteren See hinaus. »Ich habe meine Mutter geliebt, meine Kunst und dich!« »Was ich dir schulde, hab' ich nie so drückend empfunden wie jetzt. Du hast mir die Hälfte deines Lebens geschenkt, hast dir das Anrecht auf mein ungeteiltes Herz erworben. Und wie komm ich zu dir zurück?« »Rede keinen Unsinn, lieber Junge! Was solltest du mir schulden? Du weißt, wie ich über gewisse Dinge denke. Es liegt als unerschütterliche Überzeugung in mir, dass es mit uns Menschen für immer ein Ende hat in dem Augenblick, in dem wir die Lider schließen. Wozu noch eine Ewigkeit? Das Leben vergönnt uns Zeit genug, um das zu erfüllen, was der Zweck eines Menschen sein kann. Aber man ist eitel. Es ist unbehaglich zu denken, dass wir mit unserer fliegenden Phantasie und unserem bohrenden Intellekt nicht viel höher stehen sollen als der Hund, den wir füttern, als der Ochse, der den Weg alles Fleisches über unseren Teller nimmt. Man möchte dauern! Das lehrt den einen glauben und beten, den anderen schaffen. Dieser Trieb ist auch in mir. Ich will nicht vergehen ohne Spur. Hinter mir soll etwas bleiben, nicht nur ein totes Werk meiner Hände, auch ein Pulsschlag meines Lebens, ein Funke des Feuers, das in mir brannte. Ich habe gesucht. Und es war nur mein Glück, dass ich gerade dich gefunden habe. Ich erkannte dein Talent und sagte mir: Hier ist gute Erde, hier kannst du säen; was du ihr anvertraust, wird Früchte tragen, wenn du nicht mehr bist.« »Werner!« »Was anderen ihre Seele ist, das bist mir du! Ich gebe dir, was ich habe, weil du mir bist, was ich brauche. Aus keinem anderen Grund. Warum also Dank? Wir beide sind quitt. Fühlst du dich im übrigen noch