wieder ganz und gar erhellte, rief er: Rechnen Sie denn die Habsucht und die Selbstsucht nicht überall zu den großen, die Welt bewegenden und erneuenden Kräften? Sollen sie nur in Bonaparte ihre Geltung haben? Es ist ganz einfach, wie ich's sagte. Ich hasse Bonaparte, weil er mich in meinem Erwerbe stört. Tut das ein Jeder an seinem Platze, so kommt Hass genug zusammen, ihn von seiner angemassten Höhe hinab zu stürzen; und wenn es auch nicht groß, nicht idealistisch klingt, seinen Erwerb in die erste Reihe zu stellen, so ist doch Idealismus genug darin verborgen; denn auf meinem Erwerbe ruht mein Hab und Gut, ruht mein Vermögen, das heißt die Unabhängigkeit und Freiheit meines ganzen Tuns und Lassens. Solche Ansichten lagen eigentlich außerhalb der Meinungen und Gesinnungen dieses Kreises. Seba hatte jene Gleichgültigkeit gegen den Besitz, welche man häufig bei bevorzugten Naturen findet, wenn sie, im Reichtume erwachsen, niemals eine Entbehrung kennen gelernt und sich gewöhnt haben, ihren Zustand der Wohlhabenheit wie eine Naturnotwendigkeit anzusehen. Die Gräfin hingegen und die anderen Genossen hatten mehr oder weniger unter der Not der letzten Jahre gelitten. Sie hatten sich beschränken, sich viel versagen, auf manches von ihnen bis dahin für unentbehrlich Gehaltene verzichten müssen, ohne dass sie sich in ihrem inneren Werte und in dem Aufschwunge ihres Geistes dadurch beeinträchtigt fühlten; und die Freunde waren deshalb in diesem Augenblicke eher dazu geneigt, die Bedeutung und den Wert der äußeren Glücksgüter zu unterschätzen, da sie sich mit ihren Gedanken und Hoffnungen aus der beengenden Gegenwart in den Bereich einer schönen und befreiten Zukunft erhoben. Trotzdem ließ man die Äußerungen des in den amerikanischen Freistaaten erwachsenen und durch die dort waltenden Anschauungen gebildeten Mannes endlich gelten, weil man sich zu seinem frischen, selbstgewissen und freien Wesen des Besten versehen zu können glaubte; und während Renatus sich mit Geflissenheit von dem weiteren Gespräche fern hielt, fühlte die Gräfin sich von ihrer anteilvollen Neugierde getrieben, sich fast ausschließlich mit Paul zu beschäftigen, bis man den Wagen des Hausherrn vor der Türe halten hörte und die ganze kleine Gesellschaft sich in das Wohnzimmer begab, den Vater und die Hausfreunde und Gäste zu erwarten, welche sich häufig noch nach dem Theater einzufinden pflegten. Elftes Kapitel Renatus langte an dem Abende in lebhafter Aufregung in seiner Wohnung an. Er hatte, seit er die Familie Flies besuchte, öfters von dem jungen Freunde Seba's, von dem Kaufmann Paul Tremann und von dessen bevorstehendem Eintritte in das Flies'sche Geschäft reden hören; da er jedoch sehr auf sich und seine Angelegenheiten gestellt war, hatte er wenig Achtsamkeit auf dasjenige, was ihn nicht persönlich anging, und der schlichte Name eines bürgerlichen Kaufmanns zog ihn nicht besonders an.