, rechnete zuverlässig auf dessen Wiederkehr; Seba betrauerte seinen Verlust. Sie allein hatte die leidenschaftliche Natur des Knaben, die starken, tiefen Empfindungen gekannt, deren er fähig war, und die ihn in einem Augenblick vernichtender Enttäuschung leicht zu einem Äußersten getrieben haben konnten. Wohin sie sich wendete, fehlte ihr Paul, vermisste sie ihren jungen Gefährten, dessen zuversichtliche Liebe ihr ein Bedürfnis geworden war, und mit dessen Zukunft sie sich zu beschäftigen liebte, wenn ihr der Mut gebrach, der eigenen Zukunft zu gedenken; und wie sie sich auch dagegen wehrte, drängte sich ihr doch oftmals die entmutigende Vorstellung auf, dass Paul besser daran gewesen sein würde, wenn er sich ihr nicht angeschlossen, und sich im Verkehr mit ihr nicht über seine Jahre hinaus entwickelt hätte. Es war gut für Seba, dass die Familie von Arten noch immer in der Stadt war, die Baronin noch immer in dem Flies'schen Hause verweilen musste, denn es gab Seba eine Beschäftigung, welche sie von dem Schmerze um den Knaben abzog. Der Arzt hatte es, selbst als die dringendste Gefahr vorüber war, entschieden widerraten, die Kranke in den Gasthof bringen zu lassen, und Madame Flies wollte davon auch gar nicht sprechen hören. Ihr gutes Herz und ihre bürgerliche Eitelkeit fanden eine große Befriedigung darin, eine solche Dame zu bedienen und zu pflegen, mit ihr beständig zu verkehren, ihren Umgangsgenossen von diesem Verkehr zu erzählen, und daneben dachte sie, in dem romantischen Glauben an die wunderbaren Wege der Vorsehung, von welchem nur wenige Frauen frei sind, man könne doch nicht wissen, wozu es gut sei, dass die Schwester des Grafen Gerhard eben in ihrem Hause erkranken müsse und dass sie ihre Seba und die ganzen Verhältnisse der Familie nun so unerwartet kennen lerne. In der Residenz hatten schon Grafen und Prinzen sich mit Jüdinnen verheiratet, und was Einer Jüdin widerfahren war, konnte der andern auch begegnen, besonders wenn dieses ihre Seba war. Weniger angenehm war es dem Freiherrn, seine Gemahlin noch immer in der Obhut der Familie Flies zu wissen und sich von dieser eben in diesem Augenblicke Verbindlichkeiten auferlegen zu lassen, die er nicht bezahlen, nicht gleich vergelten konnte. Sein Geist war ohnehin verdüstert, sein Gemüt beschwert. Das plötzliche Wiedersehen seines Sohnes, an dem er einst gehangen, das eben so plötzliche Verschwinden desselben hatten einen furchtbaren Eindruck auf ihn gemacht. Trotz des flüchtigen Blickes, den er auf Paul geworfen, hatten die Schönheit des Knaben, die auffallende Ähnlichkeit mit dem von Arten'schen Geschlechte ihn erschüttert, und es war eine wundersame Freude gewesen, mit der er Paul's unleugbare Überlegenheit über Renatus anerkannt. Auch jetzt konnte er des Zwiespaltes in seinem Innern nicht Meister werden.