an dem Ufer dieses Sees, in dem kleinen Städtchen Tonon, in großer Mühsal und Demut seine glorreiche Laufbahn begann und von dessen Schriften das Gegenteil von Judits Behauptung galt: denn es ist ein Schaden für die Seelen, die Werke des heiligen Franz von Sales nicht zu kennen. Aber wenn sich auch der französische Mut bis zu der Verwegenheit erhob, Gott als den Schöpfer der Natur zu bekennen, so ging er doch nicht so weit, um auf Gottes übernatürliche Schöpfung, die Gnadenwelt - und auf deren übernatürliche Genie's, die Heiligen - Judit mit ihrem ungestillten Bewunderungsverlangen hinzuweisen. In der Gesellschaft von zwei Jüdinnen, zwei Hochkirchlern, einem Russen und einem Kommunisten den heiligen Bischof von Genf als überebenbürtig von Voltaire und Gibbon zu nennen - nein! zu dieser Grosstat des Glaubens erschwang der Marquis d'Avallon sich nicht und er, der einzige, der von dem großen und liebenswürdigen Heiligen hätte sprechen können, er nannte ihn nicht. Endlich empfahlen sich die Herren und begaben sich nach Genf zurück. Als Judit mit ihrer Mutter allein war, sagte sie zu Florentin: »Was ist denn dem Lelio widerfahren? Sie kamen ja in einem entsetzlichen Zustand von ihm zurück.« »Das wird er Ihnen selbst sagen!« brach Florentin aus. »Mir fehlen die Worte, um eine solche Schmach zu bezeichnen.« »Hat er gestohlen?« rief Madame Miranes beängstigt. »Oder ein anderes Verbrechen begangen?« fragte Judit, ihrerseits beunruhigt. »Er hat gebeichtet!« sagte Florentin dumpf. »Nun, was denn?« fragte Madame Miranes neugierig. »Hat er Ihre oder seine Geheimnisse ausgeplaudert?« »O Gott! Sie verstehen das nicht!« rief Florentin ungeduldig. »Er ist ein Apostat der Gewissensfreiheit geworden! er ist zum Kreuz zurückgekrochen! er hat das Joch der Pfaffenherrschaft auf seine Schultern genommen! Ha! so sind diese Italiener: unzuverlässig bis in's Mark hinein!« »Aber, bester Fiorino, weshalb wüten Sie so?« sagte Judit gelassen. »Sie predigen ja Gewissensfreiheit für jedermann. Nun, so lassen Sie doch auch dem armen Lelio das Recht, die Freiheit seines Gewissens zu wahren und zu üben, wie es ihm zusagt.« »Wenn es ihn von der Sache der allgemeinen Geistesbefreiung abtrünnig macht - nein! und abermals nein!« »Das ist leeres Gerede! warum soll er seine Idee von Freiheit der Ihren - oder der Idee von Millionen opfern? Wo ist das Richtige? wo ist die Wahrheit? wer bürgt dafür? auf diesem Gebiet beweisen große Zahlen gar nichts! Millionen können irren und einer kann ihnen gegenüber das Rechte und Richtige verteidigen und die Wahrheit behaupten. Also nicht über