Individuum zu seiner wahren Geltung kommen und die ungeheuere Geistes- und Charaktergrösse offenbaren, welche die revolutionäre Gesinnung in ihren Anhängern entwickelt! Er schwelgte in diesen Voraussetzungen. Zu welcher Höhe er selbst sich erschwingen werde - ob zu einem Kajus Gracchus, ob zu einem Brutus, oder Cromwell, oder Washington, oder Danton - das war ihm freilich nicht klar; das hing ab von Umständen und Verhältnissen. Es galt nur, sie zu ergreifen und zu benutzen: dann war ihm die Größe gewiss. Vor der Hand galt es, mit den großen Schlagworten Emeute zu machen und zum Schutz derselben Barrikaden zu bauen. Florentin hätte sich verhundertfachen mögen, um überall dies hochherzige Werk des Barrikadenbaues zu fördern. woran »die vertierte Soldateska,« welche so niedrig dachte, ihren Fahneneid zu halten, scheitern sollte. Als ein eifriges Mitglied geheimer Bünde wusste er, dass die Revolution in ganz Europa organisiert sei. Er wollte daher seine Kräfte der Befreiung Deutschlands widmen - so sehr ihn auch das Verlangen zog, nach Paris, dem großen Babylon der Revolution, zu eilen - oder nach Rom, um diese wichtigste Citadelle der Völkerknechtschaft und der Geistesverfinsterung stürmen zu helfen. Im deutschen Vaterlande gab es ja aber eine ganze Kette solcher Citadellen zu sprengen! Florentin verließ Würzburg und seine Studien. Dort war nicht mehr die Stätte und das Feld seiner Tätigkeit. Nicht der leiseste Gedanke an Windeck erschwerte seinen Entschluss. Wie hätte das sein können? Hatte nicht Brutus den Cäsar umgebracht? Gab es Größeres als die Taten der alten Römer? War die aristokratische Usurpation minder fluchwürdig, als imperatorische Kronengelüste? Nicht Dank war er dem Windecker Grafen schuldig für seine Erziehung, Bildung und Erhaltung; denn das alles war ihm ja nur infolge einer Laune der bigotten Gräfin Kunigunde zu Teil geworden, die nichts Höheres kannte, als den Ultramontanismus zu verbreiten. Wie leicht hätte er demselben verfallen können gleich dem armseligen Hyacint! Nein! sein Dank gebührte den großen Männern, deren wissenschaftliche Forschungen auf dem Gebiete der Natur- und Geschichtskunde herausgestellt hatten, dass die Natur die ewig aus sich selbst gebärende Allmutter und Schöpferin - der Geist des Menschen ein Produkt seines Gehirns - Religion die Erfindung und Politik schlauer Priester - göttliche Offenbarung ein widersinniges Märchen - ein ausserweltlicher persönlicher Gott etwas Undenkbares - das Leben ein Tummelplatz für alle Gelüste - der Tod der Eintritt in das Nichts sei. Sein Dank gebührte den freien Denkern, die nicht nur gänzlich absahn vom Katholizismus, der ja, seit dreihundert Jahren schon tot, nur noch als Gespenst mit den Nachteulen und Wehrwölfen zu mitternächtiger Stunde umherschleiche, und nur von kleinen Kindern und alten Weibern wahrgenommen werde; sondern auch vom Protestantismus; der ja nichts weiter sei, als eine Kritik des Katholizismus, viel weniger