d.h. die gesamte Vergesellschaftung, alle Verhältnisse so harmonisch ordnet, dass jeder einzelne in seiner Berechtigung geschützt ist, niemand beeinträchtigen kann und von niemand beeinträchtigt wird.« »Das muss eine Art von idealischem Zuchthaus werden, und die gesamte Vergesellschaftung muss darin an Ketten liegen, jeder auf seinem Fleck, denn sonst sehe ich nicht ein, wie diese sämtlichen Gleichberechtigten mit einander Friede halten werden,« sagte Orest.« »Das ist ganz in der Ordnung,« sagte Hyazinth; »ja, es muss ein Zuchthaus werden, aber ein höchst reelles. Wer die Selbstverleugnung verachtet, den Gehorsam verwirft, in der Losgebundenheit von göttlichen Gesetzen einen Fortschritt sehen will, der muss durch äußeren Zwang in Zucht und Ordnung gehalten werden und der Tyrannei eines Despoten verfallen, wie der sozialistische Staat eben ist.« »Ihr vergesst, dass eine nach sozialistischen Prinzipien gebildete und in deren Schulen unterrichtete Menschheit allmählig eine ganz andere, edlere sein wird, als die von heutzutage in ihrer Verdummung und ihrer Unwissenheit,« entgegnete Florentin. »Wissen und Wollen sind aber zwei sehr verschiedene Fähigkeiten,« rief Hyazinth. »Entwickelst Du in Deiner Menschheit zuerst und zuletzt das Wissen, so ist es sehr wahrscheinlich, dass Du sie eher zu Teufeln als zu Engeln bildest; denn das Wissen nährt den Hochmut und der ist die Schosssünde des Menschen. Unser Stammvater im Paradiese wusste sehr gut, was verboten und was geboten war; allein da die Schlange sagte, durch ein noch höheres Wissen würde er wie Gott sein: so ließ er seinen Willen für's Gute durch diese Vorspiegelung lähmen - und fiel. Und so und noch viel schlimmer wird es der Menschheit gehen, wenn man sie in den Wahn einlullt, mit dem Wissen des Guten sei dessen Ausübung gleichsam von selbst verbunden. Ein kleines Kind kann diese Behauptung Lügen strafen: es weiß recht gut, dass es nicht naschen darf, und dennoch nascht es, als ein kleiner Sklave der bösen Begierlichkeit, die dem Menschen seit der Erbsünde innewohnt und die nur durch den Willen zum Guten, d.h. durch Gehorsam aus Liebe zu Gott, überwunden werden kann. Aber Ihr leugnet einen ausserweltlichen Gott und einen menschgewordenen Gottessohn und Erlöser, der Euch die Gnade erworben hat, Euren Willen im Guten zu festigen und von der Knechtschaft der bösen Begierlichkeit zu befreien. Jedoch wünscht Ihr für sehr vortreffliche und edle Menschen zu gelten, und da Ihr keinen Erlöser habt, der von Sünde befreit, so leugnet Ihr frischweg die Sündhaftigkeit des Menschen und lehrt: nur aus Unwissenheit würden Fehltritte begangen; Aufklärung! Aufklärung! dann sei die Tugend schon vorhanden.« »Deine Barbarei übersteigt alle Begriffe!« rief Florentin mit höchster Entrüstung.