in seinen vorgerückten Jahren dazu noch wohl befähigt war. Das war sein eigener Wille und war auch der Rat des Propstes, aber Amadeus wiederholte noch einmal, dass er nicht scheiden wolle, ohne Ulrich mit sich zu nehmen, der so auch die beste Gelegenheit habe, jeder drohenden Gefahr zu entgehen. Zwar bangte dem Propst nicht minder um diesen - aber selbst von den heiligen Banden der Baubrüderschaft umschlungen und bestrebt ihren schönsten und höchsten Pflichten treu zu bleiben, konnte er selbst den Gedanken nicht fassen, dass Ulrich so ohne Weiteres die heilige Stätte verlassen sollte und statt zu den ewigen Werken der Kunst, statt zu dem schönen Beruf, Bauten des Friedens aufzuführen, die Jahrhunderte hindurch Tausende von Menschen erheben und veredeln mussten - zu dem rohen Handwerk des Krieges zu greifen, das nur ein Leben der Zügellosigkeit und des Zerstörens war, eine Jagd nach Beute oder Ehre, oder nur ein Mittel sein Leben zu fristen. Denn im Mittelalter ward - die Glaubenskriege ausgenommen, mochten sie nun gegen Heiden oder Sarazenen, gegen Hussiten oder die allein seligmachende katholische Kirche geführt werden - der Krieger eben nur um des Soldes Willen Krieger, um eine Beschäftigung, ein Unterkommen zu haben. Von Vasallen- und Heerestreue, noch ohne an ein höher begeisterndes Motiv zu denken, hat die damalige Geschichte nur vereinzelte Beispiele aufzuweisen. Es galt nicht für ehrlos und unwürdig, wenn ein Ritter oder Söldnerhauptmann mit seinen Leuten morgen auf einer andern Seite focht als heute: sie verkauften sich für den bessern Sold oder dahin, wo am ehesten auf Triumphe des Sieges oder reiche Beute zu rechnen war. Und wie die Führer und Ritter, so die Söldlinge, die Knappen und Trossbuben - fast niemals gab es ein höheres Band sie zu halten. Ulrich war am Morgen nach der Nacht, die er in der Propstei zugebracht, aus derselben zeitig in die Bauhütte gegangen, da der Pallirer sie nur eben geöffnet hatte. Mit dem größten Eifer meisselte er an einer Eichenkrone an einem Kapitäl, denn er wollte gern noch so viel als möglich vollenden, und wusste nicht, wie lange ihm noch das Glück der Arbeit gegönnt war! Als es am Abend dunkel geworden, ging er wieder in die Propstei. Noch einmal überhäufte ihn Amadeus mit Bitten, mit ihm zu gehen, ja er drohte in seiner heftigen Art auch nicht zu fliehen, sondern sich selbst dem geistlichen Gericht oder dem Kloster zu überliefern, wenn man ihn allein ziehen lasse; aber Ulrich blieb standhaft bei seiner Weigerung, oder er erklärte vielmehr noch einmal einfach, dass ihn nichts zu einem Eidbruch verleiten werde, und dass er bleibe, möge sein warten, was da wolle. Amadeus musste von ihm Abschied nehmen in dem Bewusstsein, dass er selbst das ersehnte