Benno erklärte: Es ist merkwürdig mit unserm allergnädigsten König und Herrn! Es ist gewiss ein ganz vortrefflicher Monarch und man muss ihm nachsagen, dass er für sein tragisches Schicksal von 1806 bis 1813 die gegenwärtige Heilige Allianz-Ruhe verdient hat! Aber wenn er sie doch nur mit seinem herrlichen Kriegsheer, seinen schönen Bauten und seinem vortrefflichen Theater allein genießen wollte! Metternich sorgt ja für Schlummer in der ganzen Welt! Was muss denn nun ewig unsern König so der Geist Gottes drängen, wie ein byzantinischer Kaiser, den Theologen zu machen! Dass er in seinem ehrenwerten Glauben die Gegensätze, die dreihundert Jahre alt sind, beim Läuten der Reformationsglocken 1817 versöhnt zu haben meinte und auch einige versöhnte, ist an sich ganz brav von ihm; nun aber glaubt er, wenn man nur schön gebunden die neue Agende auf die Altäre legt, so wäre sie auch deshalb ins Leben getreten und überall eine Wahrheit geworden! Meinetwegen drüben! Aber hüben? Ausgleichungen auch mit uns? Sein Gemüt gefällt sich in dem Gedanken, neue Festtage zu erfinden, die in seinen sämtlichen Staaten mit derselben Gesinnung zu gleicher Zeit gefeiert werden, z.B. einen Buss- und Bettag! In seiner ganzen Monarchie soll zu einer einzigen gewissen Stunde, wie bei uns das Angelus gebetet wird bei Sonnenuntergang, so in allen seinen Staaten Kirche sein, sowohl in den Garnisonskirchen, bei den Feld- und Divisionspredigern wie in unsern alten Domen und neuen Kapellen. Schmuggeln sie uns durch einfachen Gubernialerlass einen Hagelschadenfeiertag in unser Kirchenjahr, nur damit der liebe sentimentale Herr in seinem Schlossgarten spazieren gehen und sagen kann: Heute zieht die ganze Natur und alle Menschheit in meinen Landen ihren alten Winterrock aus und legt sich äußerlich und innerlich neue Sommerbeinkleider an! ... Und nach zehn Jahren werden wir wieder weiter kommen, glaubt er, und nach wieder zehn Jahren noch weiter ... und wenn alles gut geht, geben die Konsistorialräte ein bisschen heraus und der Papst gibt ein bisschen heraus und die schönen Unionstage, die einst Leibniz in Charlottenburg geträumt hat, gehen in Erfüllung! Hören Sie mal, Herr Freiwilliger! Herr Freiwilliger! drohte Grützmacher mit künstlicher Entrüstung, indem er von seinem Portefeuille aufblickte, wo er in Papieren blätterte und mit scharfem Blick wiederholt auf Lucinden, diese musternd, gesehen hatte. Das ist ja gerade als wenn man einen langhaarigen Demagogen reden hörte von Anno Köpenick, Herr von Asselyn! Das Gemüt regiert die Welt nicht! warf Lucinde ein. Drei Monarchen stiften eine Heilige Allianz! fuhr Benno fort. Schon ihre Minister standen damals hinter ihnen und putzten sich nur die Nase, während jene Tränen vergossen! Grützmacher opponirte nicht länger. Er war die gutmütigste Seele von der Welt und ohnehin zerstreut durch