hub die Königin an, »an deren Wiege, wie die Dichter sagen, gütige Feen standen.« Adelheid öffnete die Lippen, aber verschluckte das Wort. Die Fürstin hatte den fragenden Blick aufgefangen und verstanden: »Wäre ich nicht die - stände ich Ihnen nicht so fern und fremd, so würden Sie mich gefragt haben: Was ist denn Glück?« - »An Ihre Maiestät erlaube ich mir nicht die Frage, aber an mich selbst: Was macht das Glück dieses Lebens aus?« - »Mich dünkt, der Stempel, den der Schöpfer seinen Geschöpfen aufgedrückt hat, ist die beste Antwort. Sie brauchen sich nicht im Spiegel zu sehen. Sehen Sie nur die Miene der Leute, denen Sie begegnen. Die schöne Adelheid Alltag ist überall willkommen.« - »Und doch verdankte ich neulich nur der Huld einer höheren Zauberin, dass ich dem Spotte und der Kränkung entging.« - »O das waren Unarten. Neidische und böse Menschen können den Frieden der Glücklichen nicht verkümmern. Dieser Friede ist ein Gut, was tiefer liegt. Ihre hässlichen Hände reichen da nicht hin.« - »Gnädigste Königin, ich preise allerdings mein Glück, weil ich früh einen Lehrer fand, der mich auf das Wahre hinwies.« - »Ich kenne Ihren Vater; er ist ein trefflicher Mann und treuer Staatsdiener, der nichts Höheres kennt, als die Erfüllung seiner Pflichten.« - »Mein Lehrer lehrte mich,« fuhr Adelheid rasch fort, »dass Leiden unsere besten Erzieher sind. Aus der Schule großen Unglücks entwickelt sich die Seele zur Freiheit und Selbstständigkeit.« - »Haben Sie auch diese Schule durchgemacht! - Doch das ist ja nun vorüber.« - »Wer kann sagen, dass er aus der Schule entlassen ist, so lange er lebt! Und wer sieht unter dem fröhlichen Gesicht die Schmerzen in der Brust!« Das war ein Ton, welcher anschlug, er vibrirte durch die Seele der Königin: »Und wer sieht heute, was morgen kommt!« Ein Seufzer machte sich aus ihrer Brust Luft. Da flog, von einem leisen Luftzug getragen, einer jener weißen flockigen Herbstfäden, wo die Allee sich bog, von der Wiese ihnen entgegen und legte sich um Beider Brust, indem er, von ihrer Bewegung festgehalten, sie umschlang. Beide waren durch ein Spiel der Natur an einander gefesselt. Adelheid hob den Arm, um den Faden vom Hals der Fürstin los zu machen, aber - es war die Wirkung und die Tat des Momentes, jene Einwirkung unsichtbarer Geister, die wir umsonst erklären, und, wenn erklärt, so wäre es nichts - die Tränen stürzten aus den Augen der Königin und sie drückte Adelheid an