Am Morgen nach der Gesellschaft war er schon vor Mucius und vor Selle dagewesen, er hatte ihr von dem präparirten Äther gebracht, der sie wunderbar schnell gestärkt und hergestellt. Er hatte Mucius durch seine Kenntnisse, die er in bescheidene Fragen einkleidete, überrascht, dass der Doktor beim Weggehen geäußert: Das ist ein Tausendkünstler, Madame! Den müssten wir setzen lassen, dass er nicht ins Handwerk pfuscht. Hatte er nicht Selle, der durch das Versehen des Dieners auch bestellt worden, so geschickt in die Konsultation zu ziehen gewusst, dass er die Verlegenheit der Geheimrätin nicht merkte. Wie gesagt, es war alles ausgeglichen, - zwischen ihnen, aber nicht die tiefe Falte auf ihrer Stirn. Noch heut verriet sie den Riss in der Brust. »Ich werde gar keine Gesellschaften mehr geben,« hatte sie gesagt. »Gott sei Dank!« sagte er. »Warum?« »Weil Sie endlich zur Überzeugung kamen, dass man das für die Menschen sich opfern den Narren überlassen muss.« »Sie meinen doch nur für die reale Menschheit, die in ihren Flitterkleidern ihre Armseligkeit zu verbergen sucht.« »Und was ist die reale Menschheit? Sollen wir uns für den Begriff begeistern, der zwischen Adam und dem jüngsten Wiegenkinde liegt?« »Aber was ist der Mensch, der sich für nichts interessiert! Für irgend etwas muss er doch der Opfer fähig sein, er muss leben, oder er kehrt zum Tier zurück.« »Physiologen behaupten, dass jedes Menschengesicht eine Ähnlichkeit mit einer Espeçe derselben hat.« »So wäre es an uns, zu entdecken, mit welchem wir Verwandtschaft haben. Und wenn wir's wissen, sind wir am Rande unserer Erkenntnis.« »Moralisten behaupten, dass es alsdann unsere Aufgabe sei, dieses Tier zu bekämpfen.« »Mit welchen haben Sie zu kämpfen?« fragte die Lupinus. »Sie sind in aigrirter Laune, teuerste Frau. Das ist eigentlich die beste. Mit diesem moralischen Scheidewasser spülen wir am schnellsten die sensualen Auswüchse ab, die uns an unserm Glück hindern.« »Was verstehen Sie unter diesen Auswüchsen?« »Die sogenannten wohlwollenden Gefühle, die die ärgste Lüge sind, der Selbstbetrug, der uns am klaren Denken, am folgerechten Handeln hindert.« »Sie lenken von meiner Frage ab. Für was lebt der Mensch?« »Nur für sich selbst.« »Aber in dies Selbst schließen Sie die Ideen, Bestrebungen, Illusionen, wie Sie es nennen wollen, ein, die unser Dasein über das Vegetiren der Pflanze, über den Instinkt der Tiere erheben?« »Vielleicht.« »Warum nur bedingt? Sie wollen ihn noch nicht bewundern, aber Sie