malt Grotten und Nymphen. Reichmeier portraitirt und spekulirte auf ein Tableau unsrer Deputirtenkammer, kurz ehe sie aufgelöst wurde. Der Zorn darüber hat ihn fast demokratisch gemacht. Sein Onkel, der Banquier, hofft durch Egon zu einer Staatsanleihe befördert zu werden. Frau von Reichmeier, Reichmeier's Schwester (in diesen Familien heiratet sich immer die Verwandtschaft überzwerg) hat sich deshalb auch entschlossen, mit einer philantropischen Idee dem Hofe zu Gefallen zu leben und die innere Mission zu befördern, so wenig es ihrem Patschoulicharakter zusagt, sich an die Betten der Aussätzigen zu begeben und in die fünften Etagen zu den Armen steigen zu müssen. Doch hat sie nun einmal damit angefangen und sich vorläufig die Branche der Kindergärten erwählt, die sie protegirt. Ich sah Frau von Reichmeier bereits durch die Türritze eines solchen Kindergartens (im Zimmer) die kleinen Kinder spielen lehren. Beneiden Sie mich um diesen idyllischen Anblick, Wildungen! Die Blasierheit jetzt unter Kinderwindeln! Sie wissen gar nicht, was Ihnen Alles seither entgangen ist. Die Frau Pfarrerin wagte sich mit einigen Verteidigungsworten der Kindergärten hervor, wollte aber eigentlich die Rede nur auf ihren Mann bringen, den sie auch für ihre gute Meinung von den Kindergärten als Autorität anführte. Es lebe Jean Paul! sagte Leidenfrost einsilbig. Was soll Jean Paul? fragte man erstaunt. Ich denke mir, meinte Oleander, dass Herr Leidenfrost sagen will, Jean Paul wäre die Veranlassung einer zu großen Verhimmelung der Kinderseelen? Wäre dies der Fall, dann hätte Jean Paul auch zuviel für die Blumen getan. Für die Redeblumen gewiss! bestätigte Leidenfrost und gab die Beziehung auf Guido Stromer zu erkennen. Herrlicher, göttlicher Jean Paul! Du durftest aus deinem Füllhorn die Blumen frühlingsweise werfen, du wusstest sie zu binden und zu ordnen und was daneben fiel, als überflüssig, du hattest es doch selbst gezogen, was du schenktest! Aber was soll uns die wuchernde Überfülle des Geistes, die nur der Form, nicht dem Inhalte der Wahrheit dient! Seht diese Geistreichen! Wie sie sich recken und dehnen, um wunderbare Figuren zu Stande zu bringen und der grade, schlanke Wuchs der Überzeugung fehlt! Diese Menschen sind unser Unglück. All' ihr Geist befruchtet nichts, schafft nichts, gestaltet nichts. Nicht einmal ein Gedicht kommt zu Stande mit ihren an Alles und Jedes sich anpinselnden Wahrnehmungen. Nein, ich lobe mir die Einfältigen eher, die wissen, was sie wollen, als die Geistreichen, die im Grunde nur afterreden und wenn's hoch kommt, der Lüge dienend jede Meinung verteidigen, wie zuletzt Burke, Gentz und Friedrich Schlegel taten. Die Frau Pfarrerin konnte natürlich nicht ahnen, dass dieser Angriff ihrem Manne galt, der, wie Leidenfrost flüsterte, den Titel als