Wille war völlig gefangen während dieser Begebenheiten. Mardochai blieb mein Begleiter oder vielmehr Führer in der darauf folgenden Nacht, aber die Trefflichkeit seines Mittels ward außer Zweifel gesetzt. Ich gesundete, und erst später erlag ich für immer der strafenden Rache der Natur. O, damals ahnte ich noch immer nicht, warum Mardochai so gehandelt hatte! Die späteren Jahre erst ließ mich erkennen, dass ich Teilnehmer einer Rache geworden sei, wie sie nur ein zweitausendjähriger Hass und ein gleich langes Dulden der himmelschreiendsten Ungerechtigkeiten ausbrüten konnte. Allein jene Rache hatte auch einen Zweck, einen heiligen Zweck, der ebenfalls, bei mir wenigstens, erreicht wurde, obwohl mein Handeln dafür der trotzigen, dummen Menge gegenüber nur von geringer Wirkung geblieben ist. Von diesem Zwecke zu reden, kommt jedoch nur dem zu, der für ihn keine Sünde scheute! Die Zukunft wird auch diesen dereinst bekannt werden lassen. - - Mardochai sprach nicht mehr von dieser Geschichte, denn seine Ruhe ist gleich mächtig in ihrer Konsequenz, als der Hass unaustilgbar, den er in sich nährt und dessen Befriedigung seine eigenste Religion zu sein scheint. Mardochai ist entsetzlich, aber doch ein großer Mensch! Denn er steht als strafender Rachegott auf für sein Volk, treu seiner Lehre, die in Gott ja nur einen starken, eifrigen Gott erkennt. Obwol ich Mardochai's Opfer geworden bin, ahne ich doch in ihm den reinen Menschen und weiß ihn zu sondern von dem Henker, wozu ihn das Jahrhundert berufen hat in der Notwendigkeit seiner läuternden Auswüchse. - Es vergingen einige Tage und Mardochai ließ sich nirgends blicken. In mir stritten sich Ingrimm, eine lächerliche Verzweifelung und entschiedener Hohn gegen Alles, was bisher der Gewohnheit lieb und wert gewesen war, um den Besitz meines Herzens. Des Juden ausgesuchte diabolische Rache an dem Heiligsten, was unser Glaube geboren hat, schreckte mich auf aus dem Traume geistiger Vernichtung. Ich wollte den Schrecklichen meiden, aber ich hatte weder die Kraft, ihm zu fluchen, noch den Mut, zu behaupten, seine Handlungsweise sei die schandbarste, welche je geschehen unter der Sonne. Und dann - hatte er mich nicht gerettet, wieder hergestellt? Ein neues Leben durchwärmte ja mein frierendes Nervenmark! Ich fühlte mich ganz wieder Mensch, frei und stolz auf die Kraft einer vollen Männlichkeit. Es war ihm leicht, mich der niedrigsten Undankbarkeit zu beschuldigen, - sich als Retter, als großmütiger Freund mir gegenüber hinzustellen! Hätte nur der furchtbare Blick nicht noch immer meinen zerrissenen Herzenshimmel, wie ein blendender Blitz, zerspalten! Ich zweifelte an der Rache des Juden und fand mich beruhigt, indem Gleichgiltigkeit bald den tieferen Eindruck verwischte. Als ich endlich Mardochai wieder sah, ging er gekleidet, wie am Tage der Enteiligung