Unterwegs sollen Sie erfahren, was zu Ihrer Gesundheit dient. Dämmerung umhüllte schon das Tal, als wir die Stadt verließen. Mardochai führte mich die Allee hinaus nach Poppelsdorf. Um das Kirchlein des Kreuzberges flogen die Funken der niedergehenden Sonne, wie brennende Rosenblätter aus dem Brautkranz der Natur. Kasimir und Friedrich gingen uns voran, ich folgte mit Mardochai in einiger Entfernung. Lieber Gleichmut, hob der Jude an, im Fall Sie nicht der starke Geist sind, den ich immer in Ihnen zu erblicken glaubte und der mich so fest an sich kettete, dass ich selbst Liebe und Freundschaft Ihnen gegenüber fühle; so muss ich bitten, abzustehen von dem, was ich verlange und sich in Ihr Schicksal zu ergeben. Es trägt unser jetzt durch Not gebotenes Handeln den Schein der Sünde, doch, ruhig betrachtet, es ist keine, überhaupt nichts, als ein Hingeben an die Natur, die ja etwas Anderes nie verlangt, diese aber stets fordert. Es ist nötig, Gleichmut, dass Sie jetzt einmal den Glauben und die Natur des Glaubens lieben, wie Sie die Schönheit umarmt und an ihren Brüsten der Natur einen zu reichen Zoll gegeben haben. Wie soll ich dies verstehen? fragte ich meinen Begleiter. Einfach und mystisch zugleich, wenn Sie wollen, fuhr der Jude fort. Durch Sympatie heilt die Natur leichter und sicherer Übel, die von einer Art Sympatie erzeugt wurden, als durch andere künstliche Mittel. Diese Heilung will ich an Ihnen versuchen und sie wird gelingen, wenn Sie Glauben haben. Wahrlich den Hab' ich! rief ich beteuernd aus. Nur schnell gesagt, wodurch mir geholfen wird! Ruhe ist auch beim Glauben zu empfehlen, fiel Mardochai ein. Sobald wir an Ort und Stelle sind, werden Sie das Übrige erfahren. Unter zitterndem Bangen erreichte ich Poppelsdorf. Mit der Last einer einstürzenden Welt auf dem Herzen erstieg ich an Mardochai's Hand den Kreuzberg. In der Kirche hatte die letzte Messe begonnen, viele Menschen lagen vor der Kirchtür auf den Knien. Andacht senkte ihren Fittig schützend über den Tempel und die dämmernde Natur. Wir sind zur Stelle, sprach Mardochai. Er rief Kasimir herbei und flüsterte ihm einige Worte ins Ohr. Der grauenhaft-geniale Mensch lachte und ging in die Kirche. Der Jude setzte sich an die Erde neben die heilige Treppe, die nahe der Kirche liegt und von welcher der letzte Gläubige auf den Knien herabstieg. Aus der Kirche hallte dumpf das Benedicite! das Dominus vobiscum! Der ganze tönende Stolz der Messe zog im Echo vorüber an meinen umdüsterten Sinnen. - Ich hörte Kasimir zurückkommen, er lachte und warf einige jener colossalen Gedanken bedachtlos in die warme Abendluft, wie sie ihm nun einmal zur Natur geworden waren.