alles so sein«, sagte Friedrike; »für mich aber ist es zu gelehrt. Das Umständliche und Künstliche ist vielleicht nie das Rechte, das Nächste wenigstens gewiss nicht.« »Vieles«, sagte Emmrich, »worüber wir jetzt sprechen, und was sich so ganz in das Unbestimmte im Reden verliert, würde vielleicht, in einer Erzählung vorgetragen, ein anderes. Denn das ist der große Zauber der Kunst, dass in ihrer Form, in Gestalt und Bildung auch das Dämmernde, Sophistische und Unsichtbare dadurch, dass es in sichtliche Gestalt tritt, ebensowohl philosophisch begreiflich wird, als es sich poetisch fasslich darstellt.« »Wenn ein echter Philosoph und ein wahrer Poet es auffasst«, sagte Elsheim, »oder Gemüter, die fähig sind, oft ohne es zu wissen, beides zu werden.« »Still!« rief Dorotea, »mir gefällt am meisten dies Hobeln, Lärmen und Hämmern aus der Ferne. Wie hübsch ist das Gefühl hier, dass ein jeder Schlag, den ich vernehme, etwas einbringt; dass der Gewinn wieder das Gewerbe vergrößert; dass alles, was gesprochen und gedacht wird, in jenes Kapital hineinströmt, das die Wohlhabenheit befördert, die wieder das Glück und die Zukunft der Untergebenen begründet, damit sie dereinst in dieselbe Stelle treten können.« »Recht hübsch«, sagte Emmrich; »viele Leute würden aber glauben, dass das, was Sie eben gesagt haben, aller Poesie geradezu entgegenstrebe, und diese durchaus vernichten müsse.« »Poesie!« rief Dorotea; »ei, so müssten denn auch einmal Dichter kommen, die uns zeigten, dass auch alles dies unter gewissen Bedingungen poetisch sein könnte.« Die neuen Bretter dufteten; der Nussbaum bewegte sich in seinen Zweigen, von einem leisen Winde angerührt; die Werkstätte klapperte und rauschte; der Kettenhund Mufti schmiegte sich zu Friedrikens Füßen, und die große Cyperkatze saß auf Franzens Schoss, welcher das Tier streichelte. Frühlingsschwalben flogen hin und wider; jetzt hörte man den Gesang der Wollenspinnerin aus ihrem Dachstübchen von der andern Straße herüber, die jenseit des kleinen Gartens lag, und Friedrike sagte, indem sie sich an das Ohr Leonhards neigte: »Sieh, Mann, heut ist alles ebenso, wie damals, als ich dich aus deinen Träumen weckte; aber du bist anders, und darum ist auch der Nachmittag jetzt anders, und du hast deine Freunde, alte und neue, und bist Vater, und mein trauter Gatte, und fröhlich und in deinem Gott vergnügt in täglicher Arbeit und Ruhe - und jenes Gespenst, jener Baugeist ist nun auch verschwunden. Nicht wahr?« Sie ging in ihr Zimmer, indem sie Albertinen, die über den Hof schritt, herzlich