sein Verhältnis zu Augusten zur Rede stellen möge, denn als Mutter dies selbst zu übernehmen, dazu fehlte es mir an Mut oder an Demut.« »An beiden wahrscheinlich, und das ist ein rechtes Glück,« erwiderte Ernesto. »Aus solchem Einmischen dritter Personen kommt selten etwas gescheutes heraus, wenn gleich zuweilen eine Heirat, die mich denn immer an Molieres mariage forçé erinnert, und bei welcher beide Teile sich gewöhnlich sehr schlecht befinden.« »Aber wie meinen Sie, dass ich mich jetzt benehme, sowohl gegen Leo als Augusten?« fragte Frau von Willnangen. »Am besten, Sie benehmen sich gar nicht, sondern lassen alles gehen wie es geht,« war die Antwort. »Gönnen Sie Augusten noch die paar Tage hindurch die Freude, sich von Leo adoriren zu lassen, die Trennung kann wohl einen halb erstickten Seufzer kosten, vielleicht wird auch beim Abschied ein Tränchen mit den Augenwimpern zerdrückt werden müssen, aber dabei bleibt es gewiss. In vier Wochen gedenkt sie Leos nur noch als eines vortrefflichen Partners bei Tanz und Spiel, und vermisst ihn höchstens, wenn sie auf der Promenade ihren Shawl selbst tragen muss. Auguste steht zu hoch über den gewöhnlichen Mädchen, als dass Leos Koketterie wirklich hätte Eindruck auf ihr Herz machen können, und schon ihre ungetrübte Heiterkeit muss Sie hievon überzeugen. Aber wäre dies auch wider Vermuten geschehen, so wird dieser Eindruck nur um so leichter schwinden, wenn sie niemanden hat, mit dem sie darüber sprechen kann. Glauben Sie mir, die Vertrauten sind oft der Ruhe gefährlicher, als die Liebhaber selbst. Eine ermahnende Mutter ist auch eine Art von Vertraute, sie nennt doch wenigstens den teuren Namen, und der süße Klang verfehlt selten, die Töchter über das Tadeln der Mutter zu trösten.« »Wenn ich Sie nicht kennte wie ich Sie kenne, Freund Ernesto,« sprach Frau von Willnangen, »so müsste ich Sie nach diesen Äußerungen nicht nur für höchst frivol, sondern auch für herzlos und gemütlos halten. Sind das Ihre Ansichten der Liebe?« »Der Liebelei,« erwiderte Ernesto, »des kalten chinesischen Feuerwerks von ausgeschnittenem Papier, hinter denen man Lämpchen stellt, womit die Jugend so groß tut. Glauben Sie mir, nur Wenige sind berufen, den göttlichen Funken in reiner Brust zu hegen, welcher der Ursprung der heiligsten Gefühle und alles Großen und Herrlichen ist. Wem dieser einmal sich entzündet, dem verlischt er nie, auch nicht im Sturme des Lebens, auch nicht im Grabesdunkel der Trennung, auch nicht unter dem Schnee des Alters. Aber es gibt auch luftige Irrlichter für die Menge, welche ihnen nachjagt. Man läuft, man fällt, man verirrt sich, verlockt andre, aber