Bekenner sollten mit der Hand wirken, und die Hand, soll sie das, so muss ein eigenes Leben sie beseelen, sie muss eine Natur für sich sein, ihre eignen Gedanken, ihren eignen Willen haben, und das kann sie nicht auf vielerlei Weise.« Nachdem der Redende mit noch einigen hinzugefügten guten Worten geschlossen hatte, richteten die sämtlichen Anwesenden sich auf, und die Gewerke, anstatt abzuziehen, bildeten einen regelmäßigen Kreis vor der Tafel der anerkannten Oberen. Odoard reichte den sämtlichen ein gedrucktes Blatt umher, wovon sie, nach einer bekannten Melodie, mäßig munter ein zutrauliches Lied sangen: »Bleiben, Gehen, Gehen, Bleiben Sei fortan dem Tücht'gen gleich, Wo wir Nützliches betreiben, Ist der werteste Bereich. Dir zu folgen, wird ein Leichtes, Wer gehorchet, der erreicht es, Zeig' ein festes Vaterland. Heil dem Führer! Heil dem Band! Du verteilest Kraft und Bürde Und erwägst es ganz genau, Gibst dem Alten Ruh' und Würde, Jünglingen Geschäft und Frau. Wechselseitiges Vertrauen Wird ein reinlich Häuschen bauen, Schliessen Hof und Gartenzaun, Auch der Nachbarschaft vertraun. Wo an wohlgebahnten Straßen Man in neuer Schenke weilt, Wo dem Fremdling reicher Massen Ackerfeld ist zugeteilt, Siedeln wir uns an mit andern. Eilet, eilet, einzuwandern In das feste Vaterland. Heil dir Führer! Heil dir Band!« Dreizehntes Kapitel Eine vollkommene Stille schloss sich an diese lebhafte Bewegung der vergangenen Tage. Die drei Freunde blieben allein gegen einander über stehen, und es ward gar bald merkbar, dass zwei von ihnen, Lenardo und Friedrich, von einer sonderbaren Unruhe bewegt wurden; sie verbargen nicht, dass sie beide ungeduldig seien, für ihren Teil in der Abreise von diesem Ort sich gehindert zu sehen. Sie erwarteten einen Boten, hieß es, und es kam indessen nichts Vernünftiges, nichts Entscheidendes zur Sprache. Endlich kommt der Bote, ein bedeutendes Paket überbringend, worüber sich Friedrich sogleich herwirft, um es zu eröffnen. Lenardo hält ihn ab und spricht: »Lass es unberührt, leg' es vor uns nieder auf den Tisch; wir wollen es ansehen, denken und vermuten, was es enthalten möge. Denn unser Schicksal ist seiner Bestimmung näher, und wenn wir nicht selbst Herren darüber sind, wenn es von dem Verstande, von den Empfindungen anderer abhängt, ein Ja oder Nein, ein So oder So zu erwarten ist, dann ziemt es, ruhig zu stehen, sich zu fassen, sich zu fragen, ob man es erdulden würde als wenn es ein sogenanntes Gottesurteil wäre, wo uns auferlegt ist, die Vernunft gefangenzunehmen.« »Du bist nicht so gefasst, als du scheinen willst«, versetzte Friedrich, »