mir. Ich kann nur wünschen, dass die Vorbedeutung trügen möge! Überhaupt ist dein Schritt sehr gewagt, und ich bin weder mit deiner Kühnheit, noch mit Agatokles Betragen zufrieden. So muss der Mann, um dessentwillen ein schönes, gesuchtes, edles Mädchen so weit geht, nicht mit ihr sprechen! Er soll sein Glück fühlen, er soll davon hingerissen sein - aber diese stolzen Männerseelen erkalten schnell, sobald sie fühlen, dass ihr Unglück, ihre Vorzüge oder sonst ein Zufall unser Herz für sie erwärmt hat. - O Kalpurnia! Denke der Warnungen, die ich dir noch in Rom schrieb; denke der Fabel des Tantalus: Wir sind zum Leiden geboren! Mein Kopf ist müde, meine Kraft erschöpft. Leb' wohl. Sobald ich kann, schreibe ich dir wieder, denn ich finde deine Briefe nicht geeignet, sie von irgend jemand Anderm lesen und beantworten zu lassen, und ich habe dir noch viel zu sagen. Fußnoten 1 Phädon, ein Gespräch des Photo über die Unsterblichkeit der Seele - genug bekannt durch die Übersetzung und Erläuterung des verewigten Mendelssohn. 76. Marcius Alpinus an Lucius Scribonianus. Nikomedien, im März 303. Du siehst aus der Aufschrift, dass ich in Nikomedien bin. Galerius hat einsehen gelernt, dass man in der jetzigen Epoche nicht genug tätige Menschen um sich haben kann, dass besonders ein unwissender Krieger, wie er, überall des verständigen Weltmannes bedürfe. So bin ich nun wieder für ihn geschäftig. Alles geht gut - und für's erste dürften wohl Konstantins hochfliegende Gedanken etwas gemässigt werden. Diocletian, der sich seiner aus Politik gegen den übermächtigen Galerius bisher annahm, wird durch Kränklichkeit und seines Mitregenten Bestrebungen endlich dahin kommen, den Gedanken einer freiwilligen Abdankung als sehr natürlich und rätlich, vielleicht sogar als den einzigen Weg anzusehen, der ihm aus einem Labyrinth übrig bleibt, in welches ihn Galerius sehr zweckmässige Maßregeln eingeschlossen haben. Der occidentalische Augustus muss seinem Beispiel folgen, und die Welt wird die erhabene Komödie mit Lachen oder Grauen anstaunen. Nach Maximians Entsagung tritt Konstantins in seine Würde - ein wenig furchtbarer Gegner für einen Galerius. Seine schwächliche Gesundheit wird ihn an jedem kühnen Entschluss hindern, und sollte er zu lange leben, so weiß Galerius auch für solche Hindernisse Rat. Dem Golde und der Macht ist kein Weg unzugänglich. Dann übrigt nur Konstantin, und - wie unternehmend und ehrsüchtig er auch sein mag, der Kampf mit dem alleinigen Herrn der gebildeten Welt wird zu ungleich sein, als dass er nicht erliegen müsste. Doch bis sich dies Alles entscheidet, kann mancher Zufall tückisch dazwischen treten. Ein Jahr, vielleicht noch länger, kann darüber hingehen; denn Diocletian, der Rom noch nicht als Kaiser gesehen hat, will