. O es war eine traurige Zeit, als ich ihn nicht mehr lieben zu dürfen glaubte, als ich ihn für leichtsinnig und flatterhaft halten musste! Es war ein Aufruhr in meiner Natur, eine gewaltsame Verwirrung derselben. Ich muss ihn lieben, ich muss mit ihm einig sein, wenn ich es mit mir selbst sein soll. Ich bin es wieder, und das ist das Kleinod meiner Brust. Jetzt strahlt der stille Spiegel wieder nur sein teures Bild zurück, und ich darf wohl sagen, es ist mir wie der Flut, die selbst verschwindet, und nur den Himmel zeigt. Ich will mich gern selbst vergessen, wenn nur Er glücklich ist. Du wirst vielleicht glauben, dass ich ihn gesehen, oder sonst etwas von ihm gehört hätte. Nein, meine Liebe! Aus meinem Innern, aus den Erinnerungen an meine Jugend, aus der Zusammenhaltung mehrerer Umstände, aus der Überzeugung von seinem Werte ging die kräftige Beruhigung hervor. Selbst deinen Brief habe ich erst erhalten, als es bereits stille in mir war. Was er enthielt, gab mir noch höhere Kraft und das angenehme Gefühl der Übereinstimmung mit der edelsten Freundin. Ja, meine Liebe, er ist ganz entschuldigt! Er steht rein und tadellos vor mir, und das macht mich glücklich, so wenig beneidenswert sonst meine Lage ist. Nur der Gedanke, an ihm zweifeln zu müssen, kann mich wahrhaft unglücklich machen, denn er stört meinen Frieden. Ihn lieben, und die Tugend lieben, ist Eins bei mir! Aber wenn auch diese Überzeugung die unerlässliche Bedingung meiner Seelenruhe ist, so ist sein Besitz kein Recht, das ich von der Vorsicht als ein Eigentum ansprechen darf. Jenes hat sie mir gewährt, weil Seelenfrieden zu unserm Seelenheile notwendig ist. Unsre Glückseligkeit ist es aber nicht, und so darf ich diese nicht ansprechen, und tue es auch nicht. O meine Junta! wie glücklich ich geworden wäre, wenn es Gott gefallen hätte, uns zu vereinigen, wage ich nicht zu denken. Mir schwindelt vor dieser Höhe von Seligkeit, die vielleicht für dies Leben zu groß gewesen wäre! In dieser Furcht beruhigt sich mein Herz, und bescheidet sich, die Wonne des Himmels nicht schon hienieden zu genießen. Mein Vorsatz, unbekannt zu bleiben, steht daher noch immer fest. Es tragen manche Nachrichten, manche Überlegungen dazu bei, es rührt auch wohl manche Ansicht aus Heliodors Umgange her. Ich will mich bemühen, dir Alles klar und deutlich zu machen, so deutlich, als ich es fühle; aber es ist schwer, Gefühlen Sprache zu geben, und was wir als entschieden wahr empfinden, dem Andern eben so klar einsehen zu machen. Es lebt hier ein gewisser Marcius Alpinus, derselbe