lange keine Nachrichten von Ihnen bekommen. - Der alte Sir Ralph mit seiner Tochter, von denen Sie mir neulich schrieben, in der Sie Emilien zu finden hofften, wohnt jetzt in meiner Gegend, und er scheint sich in seinem einsamen Hause recht wohlzubefinden. Es ist eine Erquickung meines Herzens, es ist eine Schuld, die ich abbezahle, wenn ich diesen Leuten wohltue. Ich besuche sie oft, und ich muss Ihnen gestehen, dass ihr Umgang mich fast am meisten getröstet hat. Der alte Mann, der gut erzogen war, und nun am Rande des Grabes in die schrecklichste Armut versinkt, halb blind, mit allen Bequemlichkeiten des Lebens vertraut, und nun plötzlich von allem entblößt, der gern ein Stoiker sein möchte, wenn er nur könnte, der sein Elend so innig fühlt und sich doch, sosehr er Hilfe wünscht, davon zu sprechen schämt: er ist mir nach und nach so interessant geworden, dass es mir vorkömmt, als fehle mir irgend etwas, wenn ich ihn an einem Tage nicht gesehen habe. Seine Tochter ist ein reizendes Bild der Unschuld, ohne alle Prätension. Sie wundert sich über Glück und Unglück gleich wenig in der Welt, und nicht aus Standhaftigkeit, sondern weil sie so unbefangen ist, dass sie glaubt, es muss so sein. Sie ist ein erwachsenes Kind, das mit allen Gegenständen spielt, die es erreichen kann. O wohl dir, glückliches Wesen! Wie bunt und lustig sieht dir selbst in deinem Elende die Welt aus, du gehst mit neugierigem Auge hindurch, und betrachtest eifrig jede Nichtswürdigkeit als etwas sehr Merkwürdiges. - Sie genießt das Leben, wie man sonst nur ein Kunstwerk genießt, es ist ihr ein großer Jahrmarkt, mit nett ausgeputzten Seltenheiten. - Ach ich denke an Emilien zurück. Alle meine Sorgen, alle schlaflosen Nächte fallen mir ein, wenn ich ein liebenswürdiges Gesicht sehe. Wo ich mich freuen will, tritt mir eine schwarze Erinnerung entgegen, und wenn ich mich zuweilen vergesse, so mache ich mir nachher über meinen Leichtsinn nur desto schmerzhaftere Vorwürfe. - Als nun ihr Rausch nach und nach entfloh, was muss sie gelitten haben! als sie sich die Entdeckungen in dem Innern ihrer Seele gestand und alles wie nichtiges schales Spielzeug dalag, das sie in der Entfernung mit so vieler Ehrerbietung betrachtet hatte. Ihre hohe Empfindung hatte sie für etwas Einziges gehalten, sie hatte unvollendete schöne Eigenschaften darin geahndet, und sich selbst als ein Wesen betrachtet, das mit seinen großen und mannigfaltigen Fähigkeiten unbekannt sei. Dies ist der gefährlichste Stolz im Menschen, er macht ihn frech und zuversichtlich auf Gaben, die er nicht besitzt, und unglücklich, wenn die Seele endlich selbst jene eingebildeten Schwingen versuchen will. - Wenn