zu betreten.« Und er ergriff mit eiserner Faust das düstere verzerrte Gewebe samt der Seele Fausts. Da goss sich die gedrohte Qual über ihn aus, und ein Stöhnen erscholl aus dem Gewebe, dass, hätten es Menschen mit Ohren, aus Fleische gebildet, vernommen, ihr Herz wäre bei dem Stöhnen erstarrt und die Quelle ihres Lebens versunken. Noch stöhnte Faust aus dem düstren Gewebe unter Leviatans eiserner Faust. Als er mit ihm bei den heulenden Verdammten vorüberfuhr, fühlten sie bei dem schrecklichen Stöhnen zum erstenmal Mitleid mit einem ihresgleichen und vergaßen das Geheul über ihren eignen Jammer. Noch schwebte das Gewebe und verlor sich nun tiefer und tiefer in der unendlichen Ferne. Dann schleifte es Leviatan über die verbrannten Felsen hin, dass die noch glühende Asche unter ihm aufloderte - schwung sich mit ihm empor bis zu der ehernen Wölbung der Hölle, schleuderte ihn herunter, und er sank in den einsamen Abgrund. So erhebt sich die kühne Seele des Forschers verwegen bis zu dem Begriff des Unfasslichen, Unbegreiflichen in die Höhe, bis das Gefühl des menschlichen Unvermögens ihre Flügel lahmt und sie wirbelnd, schwindelnd in ihr Dunkel zurücksinkt, um in Verzweiflung zu erwachen. Belial, der Aufseher und Beherrscher der verdammten Päpste, Erzbischöfe, Bischöfe und gefürsteten Äbte, ergriff die Seele Alexanders; eine Mischung von scheußlichen, widersinnigen Gestalten hatte sie umhüllt und ein furchtbares Ungeheuer gebildet, dass die Verdammten, gewöhnt an scheussliche Gestalten, gleichwohl vor Entsetzen ihre Häupter in den glühenden stinkenden Pfuhl tauchten, da Belial mit dem Papst bei ihnen vorüberfuhr. Nach ihrem Verschwinden sagte Satan lächelnd: »Das sind mir Menschen, und wenn sie etwas Scheussliches vorstellen wollen, malen sie den Teufel; so lasst uns denn, wenn wir etwas Schändliches vorstellen wollen, den Menschen zur Wiedervergeltung malen, und dazu sollen mir Philosophen, Päpste, Pfaffen, Fürsten, Erobrer, Höflinge, Minister und Autoren sitzen!« Epilogus So fasse sich ein jeder in Geduld und dringe nicht auf Kosten seiner Ruhe verwegen in die Geheimnisse, die der Geist des Menschen hier nicht enthüllen kann und soll. Auch richte keiner; denn keinem ist das Richteramt gegeben. Halte deine rasche Aufwallung bei den Erscheinungen der moralischen Welt, die dein Herz empören, deinen Verstand verwirren, im Zaum und bebe, ein Urteil zu fällen, denn du kannst nicht erkennen, wie und woher sie kamen, wohin sie zielen und wie sie für den enden, der sie veranlasst. Dem Geist des Menschen ist alles dunkel, er ist sich selbst ein Rätsel. Lebe in der Hoffnung, einst helle zu sehen, und wohl dem, der seine Tage so hinlebt; er allein hat gewonnen, denn das übrige ist in der Macht dessen, der den Menschen so