»Mein Adonis?« antwortete ich und küsste ihr die Hand: sie lachte über den respektvollen Kuss, und ich weiß selber nicht, wie ich auf den sonderlichen Einfall kam.-»Mein Adonis«, sagte ich, »lebt, aller Welt abgestorben, in philosophischer Einsamkeit auf dem Lande.« - »Wirklich?« rief sie und lachte. »Der Mensch hat mannigmal wunderliche Grillen: bei mir in Berlin bekam er auch zuweilen seinen philosophischen Koller: wenn er nicht beständig unter der scharfen Zucht einer Frau oder eines Mädchens steht, so verdirbt er gleich. Im Zweiundzwanzigsten der Welt abzusterben! wenn alles so hurtig mit dem Menschen geht, so ist er im Fünfundzwanzigsten begraben und im Dreissigsten schon kanonisiert: er soll mein Patron werden, wenn ich noch so lange lebe. Wollen Sie ihn kommen lassen?« - Ich antwortete mit einem tiefen Seufzer. - »Der Seufzer heißt: Ja, ich möchte wohl, aber ich kann nicht«, sprach sie lächelnd. »Lassen Sie ihn kommen! er soll bei mir wohnen und speisen, wenn er mit mir und meinem Manne vorliebnehmen will. Sollte man ihn denn nicht irgendwo unterbringen können?« - Sie sann herum. »Bravo!« fing sie wieder an. »Sie haben wohl noch nichts von dem Präsidenten Lemhoff gehört? Man nennt ihn hier den kleinen Fürsten, weil er im Grunde das ganze Land nach seinem Gefallen regiert. Das nächstemal, wenn ich bei ihm singe, will ich ihm weismachen, dass er einen Sekretär braucht und dass er an dem Schreiber, den er itzo hält, nicht genug hat. Was wetten Sie? er soll mir's glauben und Herrmann sein Sekretär werden, sobald er bei uns ist. Machen Sie indessen einen Brief an ihn fertig, geben Sie mir seine Adresse, ich will die Aufschrift machen und ihn durch einen Expressen in meinem Namen bestellen.« - Mein Brief ist bis hieher fertig: mit welchen Aussichten oder Hoffnungen ich ihn schließen werde, hängt von der Antwort der Madam Dormer ab. Ich will von Zeit zu Zeit das merkwürdigste, was mir begegnet, hinzusetzen. den 29. August. Gestern bin ich der Fürstin vorgestellt worden: sie empfing mich überaus gnädig, aber beinahe wäre ich aus aller Fassung geraten. Sie fragte mich, ob ich die Dormerin kennte, und ich einfältiges Geschöpf bilde mir ein, dass sie diese Frage nicht tun kann, ohne meine Berliner Bekanntschaft mit dieser Frau und meine ganze Geschichte zu wissen. Ich stammelte ein erschrocknes Ja und fürchtete jeden Augenblick, dass sie mich auch fragen würde, ob ich nicht einen gewissen Herrmann liebte. Sie sah mich lange mit Verwunderung an: nach meiner Empfindung zu