hässlichsten Verbrecher machen werden. Vignali. Also sind wir ja einig? - Sie tun, was Sie wollen, und Sie wollen, was ich will: es lässt sich keine bessere Harmonie denken. Bilde ich närrisches Weib mir nicht ein, wir hätten uns einmal wieder gezankt und ich wäre Ihnen Genugtuung schuldig? - Wie ist mir denn? Ich bin Ihnen wirklich noch eine schuldig: wissen Sie nicht, von unserm letzten großen Zanke her, da ich Sie so gröblich beleidigte? - Du saumseliger Mahner! wirst du mir bald die Schuld abfodern? - Sie führte ihn ins Kabinett und leitete ihn unter mancherlei Wendungen so weit, dass er nur noch um einen Gedanken von dem Entschluss entfernt war, seine Schuldfoderung zu befriedigen. Die unendlichen Reizungen, womit ihn Vignali bestürmte, schläferten wie ein Ammenlied sein Bewusstsein und Nachdenken ein: mit umwölkten Sinnen, in glühendem Traume, mit hinreissender Begierde stand er dicht am Abgrunde seines Falles: plötzlich rollte mit lautem Geräusch das schlecht befestigte Rouleau am Fenster herab: das Schrecken verscheuchte seinen Traum, seine Sinne öffneten sich, er sah um sich her, erblickte Vignali in entülltem Reize der Liebe, zitterte und taumelte, als wenn ihn ein Dämon hinwegpeitschte, zum Kabinett hinaus. Auch Vignali war durch das Getöse des Rouleaus so erschreckt worden, dass sie ihn gehen ließ, ohne ihm nachzusetzen. Dies war der höchste Sieg, den sie über ihn erlangte: vielfältig gelang es ihr, ihn dem entscheidenden Schritte so nahezuführen, und jedesmal rettete ihn, genau untersucht, der Zufall - ein herabrollendes Rouleau, ein Lichtstrahl, der plötzlich auf sein Auge fiel und ihn aus seiner Trunkenheit schreckte, ein ungefähr aufsteigendes Bild der Phantasie, eine Idee, die durch den Kopf fuhr, der Himmel weiß woher, eine schnell dazwischenkommende Empfindung - ein solches Etwas, gleichsam wie vom Winde dahergeweht, weckte sein Gefühl für Würde und Ehre auf, riss plötzlich die Stärke seines Geistes aus dem Schlummer empor: die Schüchternheit der ersten Begierde und die Scham eines edelen Herzens, das nicht der empfundne Genuss, sondern bloß die Reize einer verführerischen Frucht locken, vollendeten seinen Sieg: er schmachtete nach dem einladenden Apfel und musste ihn fliehen, ärgerte sich, ihn nicht gepflückt zu haben, und dankte dem guten Schicksale, das seinen zulangenden Arm zurückzog. Jedesmal wurde er vorsichtiger, wünschte, es nicht zu sein, und war es nicht, wenn ihn neue Reizungen einluden: jedesmal zitterte er vor der Gefahr, wünschte sie sich wieder und eilte ihr entgegen, wenn sie sich zeigte. Nicht wollen und doch wollen, verwerfen und doch begehren, vermeiden und doch suchen, war der Lebenslauf seines Herzens. Drittes Kapitel Vignali, die über den zaghaften Liebhaber bis zum