der Euklides. Aber Nikodemus, ein ehrbarer Ratsherr, maskirte sich nicht in Weibertracht. Wie Sokrates starb! Ist die Frage. Groß, Pastor! Kann sein. Stehen Sie etwa des Hahns wegen an? Kommt denn nicht auch ein Hahn in der Passionsgeschichte vor? Da Petrus Christum verläugnete. Eben krähete auch jetzt ein Hahn, und Herr v. G. war still, kam aus dem Zusammenhang und machte ein Gesicht, als wollte er sagen: du hättest auch nicht krähen dürfen. Mein Vater tat, obgleich es schien, dass er wider den Sokrates war, ihm die bündigste Ehrenerklärung, sobald Herr v. G. nur nicht auf Kosten des Christentums dem Sokrates lobredete. Es war unmöglich, dass Sokrates und mein Vater nicht gute Freunde sein sollten. Cicero, sagte er, nannte ihn den Adam der Philosophie, den Vater der Weisen, und das mit Recht, weil er die Sophisten seiner Zeit, die mit einem Wortkram von Scholastik geziert waren, so trefflich durch gemeines Leben, durch edle Einfalt in die Enge trieb. Geht's denn unsern Philosophen anders? Sind denn nicht die meisten, den Professor Großvater nicht ausgenommen, in Wortsünden empfangen und geboren? Haben sie nicht alle sophistische Erbsünde? Sokrates war ein Volksphilosoph, und so ist die Einfalt zu nehmen, die er frei von sich bekannte. Er fing nicht Fliegen in einem Spinnengewebe von Feinheit. Aus Hausmannskost bestand seine Mahlzeit. Was nützen denn Definitionen, wenn man das Wort versteht, und was hat man denn, wenn man ein ganzes Geschlechtsregister eines Worts gelernt hat? Tun die Philosophen viel mehr, als jener Landgeistliche, der seinen Bauern bei Gelegenheit des Evangelii vom reichen Fischzuge erklärte, was ein Netz sei. Das Dorf hatte große Fischerei. Die Standrede, die Diogenes auf den Sokrates hielt, verhält sich freilich zu der des Hauptmanns unterm Kreuze wie beide Erblasste gegen einander. Er ist ein frommer Mensch und Sohn Gottes gewesen! - Meine Frau sagt: da zog die Erde den Tremulanten, sie bebte! - Da wurde das Haus des Entschlafenen der Himmel, mit Trauertuch ausgeschlagen. Es ward eine Sonnenfinsterniss, und hat meine Maria nicht Recht? Diogenes sagt: Protos meta toy mattoy Aisxinoy rhtoreiein edidaxe, kai protos peri bioy dielext, kai protos pilosopon katadikasteis etelyta. (Diogen. Laërt. I. 2. sect. 20.) Herr v. G. verstand freilich kein Griechisch; wie konnte er aber auch verlangen, dass Diogenes seinetwegen deutsch oder lettisch lernen sollte? Beiläufig, sagte mein Vater, die drei Teile, in welche die Leichenrede des Diogenes zerlegt ist. Sokrates war ein Herzensredner, ein Moralist und der erste philosophische Märtyrer. Der erste? fragte Herr