, wie es mit der Welt von Anfang gewesen, und was es mit ihr, oder mit ihrem Ebenbilde, dem Menschen, für ein Ende haben werde; so wäre es doch noch ein Erfinder gewesen; allein so gehts! Wenn die Menschen sich zeigen, kehren sie wohl vor ihrer eignen Tür? Seht, wie die Natur es zur Menschenkenntnis recht geflissentlich angelegt hat! Die Menschen sind gesellig, wie man sagt. Wenn wir nach Menschen auslaufen, wollen wir die meiste Zeit nicht den Menschen, sondern diese oder jene Tat. Nur wenn man was Großes von jemandem gehört, ist man begierig, ihn zu sehen, und wenn man ihn sieht, sieht man dann wohl den Menschen? - Fast nicht, sondern seinen Geist (sein Gespenst), die Tat, die ihn vergrößerte. Es ist eine Erscheinung, ein Gesicht! Schurken drängen sich vielleicht, große Leute zu sehen, weil sie sich nicht vorstellen können, dass es solche Menschen gebe. Der Edle sieht in den Spiegel. Auch den Bösartigsten will man sehen; vielleicht um seine Pfosten zu sichern, dass der Würgengel vorüber gehe! Akademien sind selbst, um zu sehen. Das Gehör ist ein Stück vom Gesicht. Im Odem liegt die Liebe, in der Rede die Probe von Weisheit und Torheit. Rede und du bist, habe ich schon sonstwo behauptet; allein selten trauen wir der Rede, wenn wir Temperament und Gemütscharakter kennen lernen wollen. Man hält die Zunge für bestochen, für gedungen. Sie ist höchstens ein Hauszeuge. Eben darum der natürliche Hang zur Physiognomik. Man will in den Augen sehen, wie dem Menschen ums Herz ist. Freilich ist's schwer, von dem auswendigen Menschen auf den inwendigen zu schließen. Ich würde weit eher aus dem Kleide, aus dem Pferde den Menschen beurteilen, als aus seinen Gesichtszügen und andern Schilden, die er vielleicht mit gutem Vorbedacht aushängt, und vom besten Stadtmaler zeichnen lässt. Wäre hier zur Gewissheit zu kommen, würden die Folgen nicht eben so gefährlich sein, als es die von der Gewissheit unserer Todesstunde sind? Ich gebe selbst zu, Gottes Finger habe ins Gesicht dem Menschen sein Testimonium geschrieben; wer kann aber Gottes Hand lesen? Da sie auf Kains Stirn leserlich werden sollte, musste sie verständlich gemacht und mit roter Tinte unterstrichen werden. In der nämlichen Rücksicht sind wir so für Handlungen, fürs Entstehensehen vor unsern Augen, fürs göttliche Sprechen, wo Donner und Blitz eins ist! - »Eher hätte ich das bedenken sollen?« - Und wenn ichs bedacht hätte, gestrenger Herr, bin ich denn nicht auf der Akademie? Und sollte man, sobald man der Sache näher tritt, nicht finden, dass ich auch hier