lieber bei Wasser und Brod sitzen. HERR v. G. Ich denk' aber, Pastor! wir leiden darum einen Lustigmacher nicht, weil wir ihn beneiden; wenn er sich zum Narren macht, stehen wir ihn aus, denn wir verlangen nicht, uns mit ihm zu vertauschen. ICH. Ich glaube, weil wir ihn verächtlich finden, weil er unser Bild verächtlich macht, weil wir uns den Grad seiner Verzagteit vorstellen, wenn es ihm übel ginge, weil seine Lustigkeit keinen Wiederhall abgibt. Schmerz und Freude sind gesellig; allein wenn sie das Mittelmass überschreiten, werden sie uns unnatürlich. Wir wollen uns nicht betrinken, sondern nur trinken. HERR v. G. Aber, Pastor, wie kommt's, dass die liebe Jugend so sehr auf Tragödien hält, das Alter auf Komödien? PASTOR. Die Alten lassen der Jugend nicht die Maschinen sehen, durch welche die Oper der Welt gespielt wird. Um sich selbst bei ihr im Ansehen zu erhalten, müssen sie vieles bei Ehren halten. Ein jedes Mädchen ist dem jungen Menschen eine verwünschte Prinzessin, und er glaubt sie vom feuerspeienden Drachen zu erlösen, sie zu entzaubern, wenn er sie heiratet. Er sieht Vorfälle in der Welt, allein er sieht sie nicht in Verbindung. HERR v. G. Wie ich jung war, dacht' ich, wie schwer muss es fallen, Herzog zu sein; allein jetzt: man mache mich heute zum Kaiser, und ich wette, ich will Kaiser sein wie irgend einer. Sie haben Recht, Pastor! Die Jugend fliegt, macht sich tausend Chimären. Sie kennt die Menschen zu wenig, drum setzt sie alles in Feuer und Flammen. PASTOR. Wer bloß zusieht, findet Gaukeleien unerträglich; wer mit agirt, dem ist der Hanswurst ein allergnädigst privilegirter Witzling, eine bedeutende Staatsperson, und wo ist ein großes Haus, wo ein Hof ohn' ihn? - Man schafft hie und da Titel vom Hofnarren ab; allein die Hofwürde bleibt, und ich verdenk' es keinem großen und kleinen Herrn, der gut verdauen will, dass er sich ein Lachen bereiten lässt. Lachen ist das beste Desert. Am Ende kommt heraus, dass die Tränen ein Beweis von unsrer eingeschränkten Weltkenntnis sind. Wo die Jugend Schicksal sieht, schimmert dem Alter eigene Schuld hervor. HERR v. G. Aber machen wir diesen Jüngling Auf mich zeigend. nicht zu klug? Geben wir ihm nicht die Waffen wider uns in die Hand? PASTOR. Ich befürchte nichts. Talent und Verdienst des Verstandes ist so unterschieden wie Wissen und Tun. Insoweit der Verstand den allgemeinen und verhältnissmässigen Wert der Dinge schätzt und hiernach wandelt, heißt's: Verstand kommt nicht vor Jahren