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sie einmal von der glänzenden Hochzeitsfeier einer ihrer Freundinnen zurückgekehrt waren. »Du bist heute wieder so einsylbig und niedergeschlagen.« »Ich weiß es nicht - und suchte eben selbst darüber klar zu werden. - Hilf mir, Richard. Ich verstehe mich selbst nicht mehr und die Andern noch weniger.« »Die Andern?« - »Ja, ich komme mir zuweilen recht albern vor. Ist denn die Welt eine andere geworden, oder habe ich mich nur so verändert?« - »Erkläre Dich deutlicher, Lydia. - Ich verstehe Dich nicht.« - »Das ist's ja eben, was mich drückt. Aber Du, Richard, solltest mich doch eigentlich verstehen.« - Sie blickte ihm fast bittend in's Auge. Er verstand sie recht gut, aber sie über sich selbst aufzuklären, wagte er kaum noch. Mit einer wahren Angst hatte er schon oft daran gedacht, wie er in der Schranke, die er willkührlich zwischen sich und Lydia gesetzt, sich eine Macht geschaffen, deren Besiegung ihn vielleicht noch größeren inneren Kampf bereiten würde, als ihm ihre Aufstellung gekostet hatte. War er vor drei Monaten - - so lange waren sie jetzt verheiratet - in Verlegenheit um die Mittel gewesen, seiner eigenen Leidenschaftlichkeit zu widerstehen, so war er es jetzt vielleicht noch mehr um die Mittel, diesen Widerstand, der für ihn fast zu einem moralischen Zwange geworden war, auf geeignete Weise aufzuheben. Und gerade diese ganze Umkehrung der Verhältnisse hatte seiner allmählig erwachenden wahrhaften Liebe zu ihr eine Intensität gegeben, die ihm jene Schranke zu einer drückenden Fessel umschuf. Landsfeld war in der Tat unglücklicher noch als Lydia. »Sprich, mein teures Kind« - sagte er, sich wie an jenem ersten Abende an sie schmiegend - »sprich, ist Dir irgend etwas aufgefallen heute Abend, hast Du irgend etwas gesehen oder gehört, was Dir ein peinliches Gefühl erregt hätte, oder was Dir auch nur unklar geblieben wäre?« »Das ist's, Richard - ja, unklar geblieben ist mir Manches, schon früher, aber ich habe es immer meiner eigenen Unwissenheit zugeschrieben; und da es meistens Dinge betraf, die ich nicht gut - die ich möglicherweise ganz falsch verstanden - um die ich Dich nicht fragen wollte, aus -« »Nun? aus - -« »Aus Furcht, etwas Unpassendes zu sagen, Richard.« »Daran hast Du unrecht gehandelt, Lydia. - Wie kannst Du so etwas fürchten bei mir? Ich weiß ja, dass Du Vertrauen zu mir hast, nicht wahr?« - »Unbegrenztes, mein Richard.« »Nun, also -« »Heute zum Beispiel - ich sprach mit Teresen über