1778-81_Hippel_Lebenlaeufe_406.topic_12.txt

vorzüglich die preußischen Läufer ohne Anstand ausgeliefert worden, wovon sowohl der Stadt Memel als dem königlichen Amte Altof-Memel Beispiele bekannt sein werden. Die Seltenheit der Fälle entscheidet nichts zu meinem und zu Curlands Nachteil, denn die preußischen Gränzen sind besetzt und so geschlossen, dass selten ein Läufling sich durchzudringen Gelegenheit findet. Wenn diese Auslieferung indessen schon bei Bauern von curischer Seite beobachtet wird, so werd' ich um so mehr bei einer Diebin, Störerin allgemeinen Ruhe, ja selbst einer Mordanführerin auf diese Rechtshülfe Anspruch machen können. Es ist eine Sache der Menschheit, dergleichen Verbrechen zu strafen, und ohne mich in einen Streit einzulassen, was für ein forum das vorzüglichste sei, ob das des delicti, des domicilii oder deprehensionis, so ist wohl offenbar, dass Preußen keines von allen dreien ist, sondern allererst durch das Angesuch Ew. Durchlaucht bewogen wird, die Wilhelmine - - dingfest zu machen, so dass also diese Deprehension Namens Ew. Durchlaucht geschieht; und was ist wohl angemessener, als da das Verbrechen zu untersuchen, wo es vollbracht worden? Hier bieten alle Umstände dem Inquirenten die Hand, und würde man nicht selbst dem Endzweck der Strafe entgegenhandeln, wenn man an einem mit dem Verbrechen unbekannten Orte die Strafe vollziehen wollte? Bei diesen sehr auffallenden und in gesitteten Staaten allgemein beliebten Grundsätzen bin ich der Erhörung meines Gesuchs gewiss und könnte mit der vollkommensten Zuversicht schließen, wenn ich nicht noch untertänigst gehorsamst bemerken müsste, wie außer den bezeichneten Lastern, die der Wilhelmine - - natürlich geworden, die Liebe zu Unrichtigkeiten mit gehört, welche ohnehin beständig, sowie mit allen Lastern, so vorzüglich mit der Dieberei in Gesellschaft zu treten pflegt. Wenn also ein Verhör mit ihr veranlasst werden sollte, so würde ihre Verschlagenheit, die alle Gestalten sich zuzueignen versteht, der Sache ganz andere Wendungen beilegen. Dieses zwingt mich zu einer Beischrift meines untertänigen Gesuchs: die königlich preußische Landesregierung zu requiriren, die Wilhelmine - - ohne alle Weitläufigkeiten einzuziehen und zu transportiren. Der Einfluss, den dieser ins Publikum dringende Vorfall auf meine Güter hat, ist unaussprechlich, und kann nur dadurch den Fremden, die unsere Landesart nicht kennen, begreiflich gemacht werden, dass die Letten, so wie alle begränzte, eingeschränkte Menschen, mehr nach Exempeln als nach Grundsätzen leben. Damit allendlich wegen der Person der Wilhelmine - - keine Irrung entstehe, ist selbige in Absicht ihres Körpers das Gegenteil von dem, was man gewöhnlich nennt, ihr Wuchs selbst ist zwei Finger breit über das Gewöhnliche, den gang und gäben Weiberwuchs. Sie hat nichts Kleinigliches und nichts Kindisches, sondern gränzt aus Männliche, allein es ist demungeachtet nichts männlich an ihr. - Sie ist schlank, sehr gesund, rot und weiß, hat schwarzes