leugnen wollte, dass die Mode nicht einer grausamen Sirene ähnlich sei, welche durch ihre äußerliche Gestalt die Menschen an sich lockt, und gleich einem Ungeheuer, wenn sie sich hinzunahen, um es genau zu betrachten, sie verschlingt: der würde dadurch zu erkennen geben, dass er unter die Abc schützen aller menschlichen Erkenntnis gehöre. Es ist eine bekannte und von allen Vernünftigen erkannte Wahrheit, dass die Mode es eben so zu machen pflegt, wie die Tirannen der griechischen und römischen Republiken. Diese schmeichelten sich erst bei dem Volke durch allerlei glatte Worte und Versprechungen ein, und wenn sie die Herrschaft erhielten, als denn war es um die Freiheit getan. Eben die Bewandtnis hat es mit der Mode, wenn sie durch ihr gefälliges Ansehen die Menschen bezaubert hat: so herrscht sie despotisch und gebietet über den Verstand und Willen. Alles muss sich ihr unterwerfen, und selbst die Beherrscher der Völker dürfen es nicht wagen sie ungestraft zu beleidigen. Ja, da sie über den Verstand zu herrschen sich unterwindet: Was Wunder! dass sich auch die Sitten ihr unterwerfen müssen, dergestalt, dass sie solche nach ihrer Fantasie bald sanfter bald wilder macht, und ihnen mir einer der Zauberkraft der Circe ähnlichen Macht, bald diese bald jene Gestalt zu geben weiß. Die gelehrte Republick, die durchaus keinen Oberherrn vertragen kann, muss gleichwohl die Gesetze derselben eben so wohl als das schöne Geschlecht verehren, und je weniger die Gelehrten Gesetze erkennen wollen, desto nachdrücklicher verlangt sie die Befolgung derselben. Ein Mädchen das sich wider die Mode auflehnet, wird belacht; ein Gelehrter, der ihre Gesetze verachtet, hat Leib- und Lebensgefahr deswegen zu besorgen. Wenn Doris in dem Nachtzeuge ihrer Aeltermutter erscheinen wollte, so würden sie höchstens nur die Kinder auf der Gasse auszischen; wenn aber ein Gelehrter die aus der Mode gekommenen Lehrsätze der alten Ketzer oder der Platonischen Philosophen wieder wollte aufleben lassen, und in Activität setzen, so würde man ihn steinigen. Um diese wunderbaren Erscheinungen zu erklären, muss man wissen, dass alles, womit sich die Mode beschäftigt, das äußerliche oder das innerliche des Menschen betrifft. Zu der ersten Gattung gehört die Kleidertracht, allerlei Gebräuche und Gewohnheiten, die zum Nutzen oder zum Vergnügen und der Verschönerung des Körpers erfunden werden. Zu der zweiten Gattung aber wird alles das gerechnet, was die Seele und ihre Eigenschaften, als Verstand, Willen und Gedächtnis betrifft. Gibt die Mode ein Gesetz von der ersten Gattung, so werden diejenigen, die darwider handeln, gelinder bestraft; wenn sie aber etwas feste setzt, dass den zweiten Punkt betrifft, so straft sie die Übertreter ihrer Gesetze aufs strengste. Gesetzt sie will, dass der Verstand etwas als wahr oder falsch erkennen soll, dass