1932_Hofmannsthal_Andreas_89.topic_16.txt

- Selbstgenuss, höchster, reinster, - Sacramozo sucht ihn: die Vereinigung mit sich selbst, Identität, völlige Übereinstimmung von Sich-Wollen und Sich-Wissen. Er sucht diesen Zustand Andreas zu vermitteln; diesem hilft die Liebe. Die Gräfin ist dieses Zustandes, freilich aus patologischen Ursachen, teilhaftig: jeder Anstoß, der von Mariquita ausgeht, ist für Maria durchtränkt von der Atmosphäre der in Geheimniszustand erhobenen Selbsteit, - ebenso ist Maria für Mariquita das einzig Erlebenswerte (sie liebt und hasst sie). Marias Geständnis, welche Wollust sie aus dem Versinken in die »andere«, ja aus dem bloßen Anklingen dieses Zustandes schöpfe (das erstere ist ihr eine mit Grauen gemischte Wollust, - dass ihr dies das Leben des Lebens sei, ja dass jede Süßigkeit, jedes Vorgefühl der Vereinigung mit Gott sie in diesen Zustand hinüberzuführen drohe. (Gespräch mit dem spanischen Beichtvater hierüber, unter Selbstvorwürfen. Sie fühlt sich verantwortlich für mehr als sich selbst. Der Jesuit beruhigt sie.) ad Sacramozo: »quod petis in the est, ne quaesiveris extra« - Herr unseres Selbst sein, hieße alles, auch das Subliminare, präsent haben. Ein Wesen mit stärkster Präsenz kann nie Furcht empfinden, außer in der realen Gefahr, weil Furcht immer sonst etwas Eingezwängtes, nicht Präsentes voraussetzt. Magier, der ein unsichtbares Glied zu regen meint. Was ist dies, als seinen Willen spüren, sich zusehend als einen Wollenden spüren, nicht in der Materie (wie Napoleon), sondern im Geist. Sacramozo: »das heiligste Verhältnis ist das zwischen der Erscheinung und der Wesenheit, - und wie unablässig wird es verletzt! man kann denken, Gott habe es unter Stacheln und Dornen verborgen. - Wir besitzen ein Arsenal von Wahrheiten, welches stark genug wäre, die Welt in einen Sternennebel zurückzuverwandeln, aber es ist jedes Arkanum im eisernen Tiegel verschlossen, - durch unsere Starrheit und Dummheit, unsere Vorurteile, unsere Unfähigkeit, das Einmalige zu fassen.« Der Malteser und die Welt: zu denken, dass Alles, Alles verhüllt ist. Das verschleierte Bild von Sais steht überall. sein brennendes Verlangen nach der Reinheit aller Dinge. Sein anderes Gesicht, das nur er sieht: so kindisch, auch schwach, unzulänglich. möchte sich aus dem Dasein wegwischen. fühlt sich von Maria geprüft, durchschaut. Ihre Hemmung, - darin sieht er seine Unzulänglichkeit. Einsamkeit und Vermischung mit den Menschen sind eins. Die Antinomie von Sein und Haben: für ihn im Geistigen, wo es sich um Führerschaft, Auserwählung handelt, wie für Andreas im Menschlichen. Seine große Liebe zu einer der schönsten Frauen, die er besaß. In Sacramozo fester und fester der Glaube, sein Scheindasein als