1852_Alexis_Ruhe_275.topic_16.txt

anerkennen Napoleon.« Er hatte mit unterschlagenen Armen, im Sopha zurückgelehnt, gesessen. Er sah sie scharf an: »Wollen Sie ein Napoleon werden?« »Torheit!« »Fühlen Sie Beruf, eine Semiramis, Zenobia zu sein, oder eine Maria Teresia, Katarina« »Das liegt ganz außer meiner Sphäre.« »Das ist das Lösewort. Wer die Grenzen seiner Sphäre erkennt, weiß wofür er lebt. Er weiß auch, wie er leben soll, das heißt, er kennt die Mittel, mit denen er wirkt, bis wohin er wirken kann. Wenn er aber das weiß, weiß er auch, dass nichts ihn hindern darf, so zu wirken, wie er kann, sagen wir muss. Was man will und kann, muss man; es gibt keine höhere Aufgabe. Das aber ist die Krankheit unserer Zeit, das Siechtum unserer Halbwollenden, dass sie den großen Männern ihre großen Endziele abstehlen wollen. Haben sie Adlerflügel, Titanenkräfte? So flattern sie, wie die Motten, ins Licht und zerstossen ihre blutwarmweichen Hirnschädel, mit denen sie Mauern einbrechen wollten, am ersten besten Zaunpfahl. Daher diese Idealisten, Staatskünstler, Menschheitsverbesserer! Was war es, das sie den Größen abstehlen sollten? - Die richtige Erkenntnis ihrer Sphäre, die sie füllen, der Kräfte über die sie gebieten können. Der achtzehnte Brümaire, wäre ein Verbrechen, nein eine Dummheit gewesen, wenn der Lieutenant von Toulon ihn gewagt, für den Sieger an den Pyramiden ward es eine Tugend, die Europa und die Welt bewunderte; er wusste was er konnte.« »Und was können wir, die wir nicht wissen, was wir wollen, können?« »Kein Mensch ist so gering, dass er nicht etwas will, was scheinbar über die Verhältnisse, über seine unentwickelten Kräfte hinausgeht. Aber wenn er den Mut hat, es sich zu gestehen, so wachsen schon dadurch unvermerkt diese Kräfte. Liegt das Ziel im Kreise des Möglichen, wohlverstanden für ihn, so ist es auch für ihn erreichbar. - Ich bin entfernt davon, in Ihre geheimen Wünsche dringen zu wollen: aber denken Sie sich, meine Freundin, einen solchen Wunsch, den Sie bisher für unerreichbar hielten, verkörpern Sie ihn sich, und überrechnen Sie dann die Mittel, die Ihr Geist, Ihr Vermögen, Ihre physische Kraft, Ihre Freunde Ihnen bieten. Reichen diese Mittel aus, so sind Sie am Ziel; denn es ist allein Ihre Schuld, wenn Sie es nicht erreichen.« »Das ist ein gefährlicher Gedanke.« »Warum? - Gesetzt, Sie fühlten sich unglücklich mit Ihrem Gatten -« »Ich bitte Sie, Herr Legationsrat -« »Nun, Sie wünschten ihn