1850-1_Gutzkow_RitterGeiste_864.topic_16.txt

längst der zerstörende Schwamm an den unsichtbaren Bauten der Freimaurer ist. Nimmer auch werden wir zu einem Ziele gelangen, das wir uns, ich will nur sagen, etwa über die Lage Europas willkürlich ausdenken. Wer kann die Bürgschaft geben, dass diese oder jene Form der staatlichen, kirchlichen, gesellschaftlichen Gestaltung die allgemein genügende und Jeden beglückende sein werde? Auf eine zukünftige Schöpfung hin kann kein Bund zusammentreten, wohl aber bedarf die Zeit einen Bund für den Geist dieser Schöpfung. Der Geist ist dies allgemeine flimmernde Sonnenlicht, das über unserm Zeitalter unsichrer zittert als jemals über einer Epoche. Das christliche Zeitalter, die mittlere Zeit, die Reformation wussten, wofür die Herzen erglühten. Wir aber gehen in der Irre und benutzen die Waffen des Geistes zu jedem Kampf gegen ihn. Der Kampf der Finsternis gegen das Licht wird mit Waffen des Geistes geführt. Les't nur, was so viele poetische Köpfe für die politische und kirchliche Abhängigkeit des Menschen geschrieben haben! Die Tobsucht der Massen, die Wut des Umsturzes wird von Waffen des Geistes unterstützt. Nichts ist jetzt dienender als der Geist, und die Entscheidung soll nur noch von der Materie kommen! Darüber wird die sittliche Welt zu Grunde gehen; denn die allgemeine Anarchie, das Chaos der Bildungslosigkeit, die Tyrannei der Bildungsverachtung nenn' ich den Untergang der Welt. In einer solchen Gefahr für die Scheinwahrheit der katholischen Kirche trat einst Ignatius Loyola auf und predigte den nach innen gewandten Kreuzzug, stiftete einen geistlichen Ritterbund für die innere Mission, machte das Wort, den Glauben zur Waffe; mancher Jesuit unterstützte seine stumpfen Gründe durch die Schärfe des Dolches. Es war ursprünglich so schlimm mit Gift und Dolch nicht gemeint. Man wollte nur einen Bund des katholischen Geistes gegen die Ketzerei stiften. Wohlan! So stifte man einen Bund des allgemeinen Menschengeistes gegen den Misbrauch der physischen Gewalt! Wo seh' ich nicht die physische Gewalt? Überall! Das Recht des Besitzes soll das Recht des Eigentums sein. Der Eine bewaffnet sich mit stehenden Heeren, der Andre mit der Brandfackel des Aufruhrs. Wo seh' ich Menschen, die, ich will nicht sagen, wie die Jesuiten sagen, dass sie glauben, nicht, wie die Freimaurer sagen, Menschen, die sich lieben; nein, wo seh' ich Menschen, die nur denken? Es gibt eine kleine Leiter von Begriffen, die so einfach, so tief in der Menschenbrust begründet sind, dass sie die einfachste Intelligenz erklimmen kann. Auf diese Begriffe hin reiche sich die Menschheit die Hand, beschwöre sie und erkläre feierlich, auf diesen Schwur hin, nur noch leben und sterben zu wollen! Ein solcher Bund des freien Geistes nur funfzig Jahre in Wirksamkeit und die Streitfragen werden vereinfacht, die