zu nahen wussten und in inniger, neuer Verschlingung auf dem uralten Stamm die heiligen Schauer weckten, die wir vor dem geheimnisvollen Walten in Zeit und Raum empfinden. Wer nun auch dieser strenge Warner sein möge, lenkte Dankmar ein, die Schutzgeister der Toten oder der Lebendigen, die schon aus allen Zeiten und Zonen über uns zu wachen scheinen, sie haben einen Satz ausgesprochen, den ich denke in unser Ordensbuch aufzunehmen. Kein Meister soll Gesellen, sondern Gesellen sollen immer nur Meister werben! Darin find' ich, übertragen auf alle Gesellschaftsstufen, eine große Bürgschaft richtiger und zuverlässiger Wahl. Wie gern kommt der Untergeordnete Dem entgegen, von dem er Beweise der Gunst und Herablassung erwarten kann! Im Gebiete der Materie, der physischen Kraft, mag das stärkere Prinzip die schwächeren Atome an sich ziehen. Da, wo der Geist walten soll, müssen wir es, wie dereinst in Galiläa Fischer, dahin bringen, dass den Fischern Schriftgelehrte folgen. Ich denke, wir erheben diesen Satz zu einer Ordensregel: Jeder, der in diesen Bund eintritt, muss von Einem vorgeschlagen sein, der nach dem gesellschaftlichen Maassstabe unter ihm steht. Dieser Satz war neu und sehr ernst. Leidenfrost machte auch gleich seine gewohnten Schwierigkeiten und sprach vom Staatskalender, von der vierzehnstufigen russischen Dienstordnung, allein Werdeck, der in der Einschachtelung der höheren und geringeren Grade aufgewachsen war und vom Zusammenhang seiner Gattin mit Louis Armand, von den Schicksalen, die dieser über die Kaminski'sche Familie erzählt hatte, noch überrascht war, bestätigte allmälig auch Dankmar's Äußerung über die große und immer täuschende Konvenienz der Geringern gegen Höhere im weitesten Umfange. Was hilfe es uns, sagte er, unser Kapitel mit Teilnehmern und Ordensrittern zu überladen? Die neuen Templer würden keinen Raum finden, der sie Alle aufnähme! Wir müssen das Gewinnen von Novizen schwerer machen als das Anwerben von Rekruten. Wir brauchen ein ganzes Leben, einen ganzen Menschen, dem wir das Handgeld zahlen, nicht bloß einen herablassenden Handschlag und einige gewinnende Vertraulichkeiten. Unter mir kenn' ich genug, die mir folgen würden; aber diese sollen mich gewinnen, sich selbst mir nähern. Ich möchte mich an den Obersten von Neidhard wagen, einen Mann ohne Vorurteile, an den General von Rauten, einen tiefsinnigen Denker, dem ich nur das Einzige vorwerfe, dass er dem General Voland von der Hahnenfeder zu nahe steht ... Dem Krypto-Jesuiten? sagten fast Alle einstimmig. Merkwürdig, fuhr Werdeck fort, wenn über einen Charakter ein so allgemeines Urteil feststeht, so muss Etwas wahr an dem Gerücht sein, das ihn verfolgt. Und doch ist Poesie und Schwung in diesem General, der dem Könige so nahe steht und seine jugendliche Einbildungskraft gefangen hält.