Theile der sozialen Erscheinungen in erster Instanz in einer hinlänglich engen und vollständigen Abhängigkeit von einer besonderen Klasse von Ursachen stehen, um es bequem zu machen, eine vorläufige Wissenschaft dieser Ursachen zu schaffen; ich verschiebe die Betrachtung der Ursachen, welche durch dieselben oder mit ihnen zusammen wirken, bis zu einer späteren Periode der Untersuchung. Unter diesen separaten Abtheilungen ist indessen eine, welche wir nicht mit Stillschweigen übergehen können, da sie von einem umfassenderen und wichtigeren Charakter ist, als irgend ein anderer von den Zweigen, in welche die Gesellschaftswissenschaft eingeteilt werden könnte. Wie diese, befasst sie sich direkt mit der Ursache von nur einer Klasse von sozialen Tatsachen, aber einer Klasse, welche, sei es unmittelbar oder entfernt, den höchsten Einfluss auf die übrigen ausübt. Ich meine die politische Ethologie, wie man sie nennen könnte, oder die Lehre von den Ursachen, welche den einem Volke oder einem Jahrhundert angehörigen Charaktertypus bestimmen. Von allen untergeordneten Zweigen der Gesellschaftswissenschaft ist dieser am vollständigsten in seiner Kindheit. Die Ursachen des Nationalcharakters werden kaum noch verstanden, und die Wirkung der Institutionen oder gesellschaftlichen Einrichtungen auf den Charakter des Volkes ist im allgemeinen derjenige Teil ihrer Wirkungen, der am wenigsten beachtet und am wenigsten begriffen wird. Auch dürfen wir uns hierüber gar nicht wundern, wenn wir den Kindheitszustand der Wissenschaft der Ethologie selbst betrachten, der Wissenschaft, welcher die Gesetze zu entnehmen sind, von denen die Wahrheiten der politischen Ethologie nur Resultate und Erläuterungen sind. Einem jeden wird sich indessen bei genauer Betrachtung zeigen, dass die Gesetze des nationalen (oder kollektiven) Charakters bei weitem die wichtigste Klasse von soziologischen Gesetzen sind. Erstens ist der Charakter, der durch irgend einen Zustand von sozialen Umständen gebildet wird, an sich die interessanteste Erscheinung, welche dieser gesellschaftliche Zustand möglicherweise darbieten kann. Zweitens ist er eine Tatsache, die in die Erzeugung aller anderen Erscheinungen bedeutend mit eingeht. Und vor Allem ist der Charakter, d.h. die Meinungen, Gefühle und Gewohnheiten des Volkes, obgleich großenteils das Resultat von dem ihm vorausgängigen gesellschaftlichen Zustande, zum großen Teil auch die Ursache des auf ihn folgenden gesellschaftlichen Zustandes; er ist die Kraft, durch welche alle diejenigen von den Umständen der Gesellschaft, welche, wie z.B. Gesetze und Gebräuche, künstlich sind, gänzlich gebildet werden; die Gebräuche werden es augenscheinlich, und nicht weniger gewiss die Gesetze, entweder durch den direkten Einfluss der öffentlichen Denkungsart auf die herrschenden Gewalten, oder durch die Wirkung, welche die Beschaffenheit der nationalen Meinung Und des nationalen Gefühls auf die Bestimmung der Regierungsform und die Charakterbildung der Regierenden hat. Der unvollkommenste Teil derjenigen Zweige der sozialen Forschung, welche als besondere Wissenschaften kultiviert worden sind, ist, wie zu erwarten war, die Lehre