1843_Mill_Logik_729.topic_22.txt

eine einzelne Handlung, oder die Handlungsweise von einer nur kurzen Zeit können die Bestimmung wenig fördern. Wir können unsere Beobachtungen nur in einer rauen Weise und en masse machen; indem wir in einem gegebenen Falle nicht versuchen vollständig zu erforschen, welcher Charakter gebildet worden ist, und noch weniger, durch welche Ursachen, sondern indem wir bloß beobachten, unter welchen vorausgängigen Umständen gewisse hervorragende geistige Eigenschaften oder Mängel am häufigsten existieren. Außerdem, dass sie bloß annähernde Generalisationen sind, verdienen diese Schlüsse selbst auch als solche kein Vertrauen, wenn die Fälle nicht zahlreich genug sind, um nicht bloß den Zufall, sondern auch einen jeden accidentellen Umstand zu eliminieren, in dem sich eins Anzahl der geprüften Fälle vielleicht einander ähnlich sahen. Auch sind die den individuellen Charakter bildenden Umstände so mannigfaltig und zahlreich, dass die Folge einer besonderen Kombination derselben kaum jemals irgend ein bestimmter und stark markierter Charakter ist, ein Charakter, der sich immer da findet, wo diese Kombination existiert, und sonst nicht. Auch nach der umfassendsten und genauesten Beobachtung wird bloß ein relatives Resultat erhalten: wie z.B. dass unter einer gegebenen Anzahl von ohne Unterschied gewählten Franzosen sich mehr Personen von einer besonderen geistigen Richtung und weniger von der entgegengesetzten Richtung finden werden, als unter einer gleichen Anzahl von in gleicher Weise gewählten Italienern oder Engländern; oder auch: von hundert Franzosen und einer gleichen Anzahl Engländer, die unparteiisch gewählt und nach dem Grade geordnet sind, in dem sie eine besondere geistige Eigentümlichkeit besitzen, wird eine jede Anzahl 1, 2, 3 etc. der einen Reihe von dieser Eigentümlichkeit mehr besitzen, als die entsprechende Anzahl der andern Reihe. Da demnach nicht eine Vergleichung von Arten, sondern von Verhältnissen und Graden stattfindet, und da im Verhältnis, als die Unterschiede gering sind, die Elimination des Zufalls eine größere Anzahl von Fällen erfordert: so kann es niemand oft vorkommen, dass er eine hinreichende Anzahl von Fällen mit der für die letztgenannte Vergleichung erforderlichen Genauigkeit kennt; eine geringere Kenntnis würde aber zu keiner wirklichen Induktion führen. Es gibt auch demnach kaum eine gangbare Meinung in Betreff der Charaktere von Nationen, von Classen oder Arten von Personen, welche allgemein als unbestreitbar anerkannt wäre.201 Und wenn wir zuletzt noch durch das Experiment viel gewissere Generalisation erhalten könnten, als es wirklich möglich ist so würden sie nur bloß empirische Gesetze sein. Sie würden in der Tat zeigen, dass zwischen dem gebildeten Charaktertypus und den in dem Falle existierenden Umständen ein Zusammenhang besteht; sie würden aber weder genau zeigen, wie der Zusammenhang war, noch welcher der Eigentümlichkeiten dieser Umstände die Wirkung wirklich zuzuschreiben ist. Sie könnten daher nur als Resultate von Verursachung genommen werden, die der Auflösung in allgemeinere Kausalgesetze bedürfen. Vor dieser Auflösung