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sind. Wenn aber derartige von Engländern abgeleitete Maxime auf Franzosen angewendet werden, oder wenn die von der Gegenwart abgeleiteten Grundsätze auf vergangene oder kommende Generationen angewendet werden, so trifft man dabei leicht auf Schwierigkeiten. Wenn wir nicht das empirische Gesetz in die Gesetze der Ursachen, von denen es abhängig ist, aufgelöst und wenn wir bestimmt haben, dass diese Ursachen sich auf den vorliegenden Fall erstrecken, so können wir uns auf unsere Folgerungen nicht verlassen. Denn ein jedes Individuum ist von Umständen umgeben, die sich von denen eines jeden andern Individuums unterscheiden; eine jede Nation oder Generation unterscheidet sich in dieser Beziehung von einer jeden andern Nation oder Generation ; und keine von diesen Verschiedenheiten bleibt bei der Bildung eines verschiedenen Charaktertypus ohne Einfluss. Es ist in der Tat auch eine gewisse allgemeine Ähnlichkeit vorhanden; aber Eigentümlichkeiten der Umstände lassen fortwährend Ausnahmen sogar von Sätzen entstehen, welche in der großen Mehrheit der Fälle wahr sind. Obgleich es indessen kaum eine Gefühls- oder Handlungsweise gibt, die im absoluten Sinne allen Menschen gemein wäre, und obgleich die Generalisationen, welche behaupten, eine gegebene Varietät des Fühlens oder Handelns werde allgemein angetroffen von keinem mit wissenschaftlicher Forschung Vertrauten als wissenschaftliche Sätze betrachtet werden (wie nahe sie auch innerhalb der gegebenen Grenzen der Wahrheit kommen mögen): so haben doch alle Gefühls- und Handlungsweisen, denen man bei den Menschen begegnet, Ursachen, welche sie erzeugen; und in den Sätzen, welche diese Ursachen nachweisen, wird man die Erklärung der empirischen Gesetze und die ihre Verlässlichkeit beschränkenden Prinzipien finden. Unter denselben Umständen fühlen und handeln menschliche Wesen nicht gleich; aber es ist möglich zu bestimmen, was den Einen in einer gegebenen Lage so handeln lässt, den Anderen anders; wie eine mit den allgemeinen (physischen und geistigen) Gesetzen der Menschennatur verträgliche Gefühls-und Handlungsweise gebildet worden ist oder werden könnte. Mit anderen Worten, die Menschen haben nicht einen allgemeinen Charakter, aber es gibt allgemeine Gesetze der Bildung des Charakters. Und da durch diese Gesetze in Verbindung mit den Tatsachen eines jeden besonderen Falles das Ganze der Erscheinungen der menschlichen Gefühle und Handlungen hervorgebracht wird, so muss ein jeder rationelle Versuch, die Wissenschaft von der menschlichen Natur im Konkreten und für praktische Zwecke zu konstruieren, von denselben ausgehen. . 3. Da also die Gesetze der Charakterbildung den Hauptgegenstand der wissenschaftlichen Erforschung der menschlichen Natur bilden, so bleibt noch die für die Feststellung derselben am meisten geeignete Methode zu bestimmen. Die logischen Prinzipien, nach denen diese Frage zu entscheiden ist, müssen die Prinzipien sein, welche einen jeden anderen Versuch, die Gesetze sehr komplexer Erscheinungen zu erforschen, leiten müssen; denn es ist klar, dass sowohl der Charakter eines menschlichen Wesens, als auch das Aggregat der Umstände,