1843_Mill_Logik_550.topic_22.txt

Kapitel bilden, sind unerlässliche Bedingungen der Induktion; es kann keine Induktion Statt finden, wo sie nicht vorhanden sind. Man hat sich eingebildet, das Benennen sei eine ebenso unerlässliche Bedingung. Es gibt Philosophen, welche der Ansicht sind, die Sprache sei nicht allein, nach einem sehr gangbaren Ausdrucke, ein Werkzeug des Gedankens, sondern das Werkzeug des Gedankens; Namen oder etwas Äquivalentes, irgend eine Art künstlicher Zeichen seien zum Urteilen notwendig; ohne sie könne keine Folgerung und also auch keine Induktion Statt finden. Wenn aber die Natur des Schließens in dem früheren Teil dieses Werkes richtig dargestellt worden ist, so muss diese Meinung als eine Übertreibung wenn auch einer wichtigen Wahrheit angesehen werden. Wenn das Schließen vom Besonderen auf Besonderes Statt findet, und wenn es darin besteht, eine Tatsache als ein Merkmal einer andern, oder als ein Merkmal von einem Merkmale einer andern zu erkennen, so ist, um das Schließen möglich zu machen, nichts erforderlich, als Sinne und Ideenassoziation; Sinne, um wahrzunehmen, dass zwei Tatsachen verbunden sind, Assoziation als das Gesetz, durch welches die eine der zwei Tatsachen die Idee der andern erweckt.152 Für diese geistigen Phänomene sowohl als für den Glauben oder die Erwartung, welche folgt, und wodurch wir erkennen, dass das, wovon wir ein Merkmal wahrgenommen haben, Statt gefunden hat, oder auf dem Punkte ist Statt zu finden, bedürfen wir offenbar nicht der Sprache. Und diese Folgerung einer besonderen Tatsache aus einer andern ist ein Fall von Induktion. Es ist dies eine Art Induktion, deren die Tiere fähig sind, es ist die Weise, in der alle ungebildeten Geister fast alle ihre Induktionen machen, und in der wir Alle sie machen in den Fällen, wo eine familiäre Erfahrung uns unsere Schlüsse ohne einen tätigen Prozess der Forschung von unserer Seite aufdringt, und wo der Glaube oder die Erwartung mit der Schnelligkeit und der Gewissheit eines Instinktes auf die Induktion folgt.153 . 3. Aber obgleich eine Folgerung von einem induktiven Charakter ohne den Gebrauch von Zeichen möglich ist, so könnte sie doch niemals ohne dieselben weit über die eben beschriebenen einfachen Fälle hinaus gehen, und diese Fälle sind aller Wahrscheinlichkeit nach die Grenzen des Schließens jener Tiere, denen eine konventionelle Sprache unbekannt ist. Ohne Sprache oder etwas Äquivalentes könnte nur soviel Schließen aus der Erfahrung Statt finden, als ohne die Hülfe allgemeiner Urteile Statt finden kann. Obgleich wir nun streng genommen von der vergangenen Erfahrung auf einen neuen einzelnen Fall ohne die Zwischenstufe eines allgemeinen Urteils schließen können, so würden wir uns ohne allgemeine Urteile doch selten erinnern, welche vergangene Erfahrung wir gehabt haben, und kaum jemals, welcherlei Schlüsse diese Erfahrung rechtfertigen wird. Die Teilung des induktiven Prozesses in zwei Theile, von