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gibt nun Philosophen, welche in folgender Weise geschlossen haben. Wenn wir eine Orange nehmen, und sie ihrer natürlichen Farbe beraubt denken, ohne dass ihr eine andere Farbe verliehen wird; wenn wir ferner denken, sie verlöre ihre Weichheit, ohne hart zu werden, ihre Rundung, ohne viereckig, fünfeckig oder andergestaltig zu werden; sie verlöre Gestalt, Gewicht, Geruch, Geschmack und alle mechanischen und chemischen Eigenschaften ohne neue zu bekommen; kurz wenn sie unsichtbar, unfühlbar, nichtwahrnehmbar würde, und zwar nicht bloß für unsere Sinne, sondern auch für die Sinne aller anderen (reellen oder möglichen) empfindenden Wesen: so würde nichts übrig bleiben. Denn, fragen diese Denker, welcher Art könnte der Rückstand sein? Durch welches Zeichen könnte er seine Gegenwart offenbaren? Für den Nichtnachdenkenden scheint dessen Existenz auf dem Zeugnis der Sinne zu beruhen. Den Sinnen ist aber nichts bekannt als Empfindungen. Wir wissen zwar, dass diese Empfindungen durch irgend ein Gesetz mit einander verbunden sind; sie treffen nicht zufällig zusammen, sondern nach einer systematischen Ordnung, welche ein Teil der Ordnung im Weltall ist. Wenn wir die eine dieser Sensationen erfahren, so erfahren wir auch gewöhnlich die anderen, oder wir wissen, dass es in unserer Macht steht, sie zu erfahren. Aber ein bestimmtes Gesetz des Zusammenhanges, welches macht, dass die Empfindungen zugleich stattfinden, verlangt nicht notwendig, sagen diese Philosophen, was man ein sie tragendes Substrat nennt. Die Vorstellung eines Substrats ist nur eine der vielen möglichen Formen, unter denen sich jener Zusammenhang unserer Einbildungskraft darstellt; es ist gleichsam ein Modus die Idee zu Stande zu bringen (zu realisieren). Angenommen, es gäbe ein solches Substrat, und es würde durch ein Wunder in diesem Augenblick vernichtet, die Empfindungen aber würden fortwährend in derselben Ordnung stattfinden, würde man dann das Substrat vermissen? Aus welchen Zeichen könnten wir erfahren, dass seine Existenz zu Ende ist? Würden wir nicht mit eben soviel Recht wie jetzt annehmen, dass es noch existiert? Wenn aber unserem Glauben alsdann jede Gewähr fehlen würde, woher soll er dieselbe jetzt nehmen? Nach diesen Metaphysikern ist daher ein Körper nicht etwas wesentlich Verschiedenes von den Sensationen, von denen man sagt, der Körper errege sie in uns; kurz er ist eine Reihe von Empfindungen, welche durch ein bestimmtes Gesetz mit einander verbunden sind. Die Streitigkeiten, zu welchen diese Spekulationen Anlass gegeben haben, und die Lehren, welche bei dem Versuch, eine entscheidende Antwort darauf zu finden, entwickelt wurden, hatten für die Wissenschaft des Geistes wichtige Folgen. Die Empfindungen (so war die Antwort), deren wir uns bewusst sind, und welche wir nicht dem Zufall nach, sondern in einer gewissen allgemeinen Weise mit einander