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Folgen der Vielfachheit der Ursachen ist, dass sie die eine unserer induktiven Methoden, die der Übereinstimmung, unsicher macht. Um diese Methode zu erläutern, nahmen wir zwei Fälle an, A B C begleitet von a b c und A D E begleitet von a d e. Aus diesen Beispielen dürfte geschlossen werden, dass A ein beständiges Antezedens von a ist, und sogar dass es das unbedingte beständige Antezedens oder die Ursache ist, wenn wir sicher sein könnten, dass kein anderes, den zwei Fällen gemeinsames, Antezedens vorhanden ist. Damit uns diese Schwierigkeit nicht im Wege stehe, wollen wir annehmen, wir hätten ermittelt, dass die zwei Fälle wirklich kein gemeinsames Antezedens haben, ausgenommen A. In dem Augenblicke jedoch, wo wir die Möglichkeit der Vielfachheit der Ursachen zulassen, wird der Schluss falsch, denn er schließt die stillschweigende Voraussetzung ein, dass a in beiden Fällen durch dieselbe Ursache hervorgebracht worden sein muss. Wenn möglicherweise zwei Ursachen vorhanden gewesen sein können, so mögen sie z.B. C und E sein; die eine kann die Ursache in dem ersten Falle gewesen sein, die andere in dem letzteren, während A in keinem dieser Fälle einen Einfluss hat. Nehmen wir z.B. an, dass zwei große Künstler oder Philosophen, dass zwei äußerst selbstsüchtige oder äußerst großmütige Charaktere in Beziehung auf die Umstände ihrer Erziehung und Geschichte mit einander verglichen werden, und dass die zwei Falle nur in einem einzigen Umstand übereinstimmend befunden werden. Würde daraus folgen, dass dieser eine Umstand die Ursache der Eigenschaft war, welche beide Individuen charakterisierte? Gewiss nicht; denn der Ursachen, welche bei der Erzeugung eines gegebenen Charaktertypus wirken, sind unzählige; die zwei Individuen hätten in ihrem Charakter übereinstimmen können, obgleich ihre frühere Geschichte in keiner Weise Ähnlichkeit hatte. Es ist dies daher eine charakteristische Unvollkommenheit der Methode der Übereinstimmung, von welcher die Differenzmethode frei ist. Denn wenn wir zwei Fälle, A B G und B C, haben, von denen B C, b c gibt, was beim Hinzukommen von A in a b c verwandelt wird, so ist es gewiss, dass in diesem Falle wenigstens A entweder die Ursache von a, oder ein Teil seiner Ursache war, obgleich die Ursache, welche dasselbe in einem andern Falle hervorbringt, eine ganz verschiedene sein kann. Die Vielfachheit der Ursachen vermindert daher nicht allein nicht die Zuverlässigkeit der Differenzmethode, sondern macht nicht einmal eine größere Anzahl von Beobachtungen oder Experimenten nötig; zwei Fälle, der eine ein positiver, der andere ein negativer, sind meistens für die vollständigste und strengste Induktion hinreichend. Nicht so dagegen bei der Methode der Übereinstimmung. Die Schlüsse, zu welchen sie führt, wenn die Zahl der verglichenen Fälle gering