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Gegenteil der Ansicht, dass sie trügen kann, nicht wegen eines Fehlers in der Probe selbst, sondern weil »die Menschen Dinge für unbegreiflich hielten, die nicht unbegreiflich waren«; und er verneint in seinem Buche nicht wenige Urteile, die man gewöhnlich als markierte Beispiele von Wahrheiten ansah, deren Negation unbegreiflich ist. Aber gelegentliches Fehlschlagen, sagt er, ist allen Proben eigen. Wenn ein solches Fehlschlagen »die Probe der Unbegreiflichkeit ungültig macht, so muss es in ähnlicher Weise eine jede andere Probe ungültig machen. Wir halten eine logisch aus Prämissen gezogene Folgerung für wahr; aber in Millionen Fällen irrten sich die Menschen in den Folgerungen, welche sie für wahr gezogen hielten. Argumentiren wir deshalb, dass es absurd ist, eine Folgerung auf keimen andern Grund hin für wahr zu halten, als dass sie logisch aus festgesetzten Prämissen gezogen ist? Nein; wir sagen, dass obgleich die Menschen für logische Folgerungen gehalten haben mögen, was nicht logische Folgerungen waren, so gibt es nichtsdestoweniger logische Folgerungen, und wir dürfen so lange als wahr annehmen, was uns wahr scheint, bis wir eines bessern belehrt sind. In gleicher Weise kann es immer noch unbegreifliche Dinge geben, wenn auch die Menschen einige Dinge für unbegreiflich hielten, die es nicht waren, und die Unfähigkeit, die Negation eines Dinges zu begreifen, kann immer noch die beste Gewähr sein, es zu glauben.... Sie kann sich zwar gelegentlich als eine unvollkommene Probe erweisen, da aber unser gewisseste Glaube keiner bessern fähig ist, so heißt irgend einen Glauben bezweifeln, weil wir keine höhere Garantie dafür haben, wirklich allen Glauben bezweifeln.« Herrn Spencers Lehre errichtet daher nicht die heilbaren, sondern die unheilbaren Beschränkungen des menschlichen Begriffsvermögens zu Gesetzen des äußeren Universums. . 2. Die Lehre dass »ein Glaube wahr ist, von dem durch die Unbegreiflichkeit seiner Negation bewiesen ist, dass er beständig existiert,« wird von Hrn. Spencer durch zwei Argumente dargetan, wovon man das eine als positiv und das andere als negativ unterscheiden kann. Das positive Argument ist, dass ein jeder derartige Glaube das Aggregat der ganzen vergangenen Erfahrung repräsentiert. »Die ganze Wahrheit des Satzes zugegeben, dass in einer jeden Phase des menschlichen Fortschritts die Fähigkeit oder Unfähigkeit einen spezifischen Begriff zu bilden, gänzlich von der Erfahrung abhängt, welche die Menschen gehabt haben; und dass die Menschen durch die Erweiterung ihrer Erfahrung allmälig fähig werden, Dinge zu begreifen, die ihnen vorher unbegreiflich waren: so kann man noch immer schließen, dass, da zu jeder Zeit die beste Gewähr für einen Glauben in der vollkommenen Übereinstimmung mit aller vorhergehenden Erfahrung liegt, hieraus folgt, dass zu jeder Zeit die Unbegreiflichkeit seiner Negation die beste Probe ist, welche