den Tatsachen ebensowenig genau, als in anderen Wissenschaften; wir supponieren aber, dass sie es tun, um die Konsequenzen aus dieser Supposition ableiten zu können. Ich halte die Ansicht von Dugald Stewart, dass die Fundamentallehren der Geometrie auf Hypothesen gebaut sind, dass sie diesen allein die eigentümliche Gewissheit verdanken, welche sie auszeichnen, und dass eine jede Wissenschaft, wenn sie von einer Anzahl von Hypothesen aus weiter schließt, ein System von Schlüssen ergeben wird, das an Gewissheit der Geometrie nicht nachsteht, d.h. das eben so strenge in Übereinstimmung mit den Hypothesen stehen, und das unter der Bedingung, die Hypothesen seien wahr, unsere Zustimmung ebenso unwiderstehlich erzwingen wird, wie diese, im Wesentlichen für richtig. Wenn daher behauptet wird, die Schlüsse der Geometrie wären notwendige Wahrheiten, so besteht die Notwendigkeit nur darin, dass sie aus den Voraussetzungen, aus denen sie abgeleitet sind, notwendig folgen. Diese Voraussetzungen sind so weit entfernt, notwendig zu sein, dass sie nicht einmal wahr sind; sie entfernen sich absichtlich mehr oder weniger von der Wahrheit. Den Schlüssen einer Wissenschaft kann Notwendigkeit einzig in dem Sinne zugeschrieben werden, dass sie aus einer Annahme folgen, welche den Bedingungen der Untersuchung nach unzweifelhaft ist. In diesem Verhältnis müssen natürlich die abgeleiteten Wahrheiten einer jeden deduktiven Wissenschaft zu den Induktionen oder Annahmen stehen, auf welche die Wissenschaft gegründet ist, und diese mögen an und für sich wahr oder unwahr, gewiss oder zweifelhaft sein, so nimmt man sie zu den Zwecken der besonderen Wissenschaft immer als gewiss an. Die Schlüsse der deduktiven Wissenschaften hießen daher bei den Alten notwendige Urteile. Wir haben bereits bemerkt, dass das notwendig ausgesagt werden charakteristisch vom Prädicabile Proprium ist, und dass ein Proprium eine jede Eigenschaft eines Dinges ist, die aus ihrem Wegen abgeleitet werden kann, d.h. aus den in seiner Definition eingeschlossenen Eigenschaften. . 2. Die wichtige Lehre von Dugald Stewart, welche ich durchzuführen versucht habe, ist von Dr. Whewell in einer, seinem »Mechanischen Euklid«57 angehängten Dissertation, besonders aber in seinem neueren gründlichen Werke über die Philosophie der induktiven Wissenschaften bestritten worden. In letzterem hat er auch eine Erwiderung auf einen Artikel in der Edinburgh Review (der einem hervorragenden Schriftsteller zugeschrieben wurde) gegeben, in welchem Stewarts Ansicht gegen ihn verteidigt worden war. Die vermeintliche Widerlegung Stewarts besteht einfach darin, dass gegen ihn bewiesen wird (wie es auch in diesem Werk geschah), dass die Prämissen der Geometrie nicht Definitionen, sondern Assumtionen der wirklichen Existenz von diesen Definitionen entsprechenden Dingen sind. Hierdurch wird Dr. Whewells Zweck aber wenig gefördert, denn gerade von diesen Assumtionen wird behauptet, es seien Hypothesen, und wenn er leugnen will, dass die Geometrie