daher als einen Grundsatz aufstellen, dass wo ein Genus vorhanden, und eine aus dem Genus herausgegriffene Species durch eine nachweisbare Differentia bezeichnet ist, da muss der Name der Species konnotativ sein und muss die Differentia mitbezeichnen; die Mitbezeichnung kann aber eine spezielle sein - nämlich eine nicht in der Bedeutung des Wortes, wie es gewöhnlich gebraucht wird, eingeschlossene, sondern eine die ihm beigelegt wird, wenn es als ein Ausdruck der Kunst oder Wissenschaft gebraucht wird. Im gewöhnlichen Gebrauch mitbezeichnet das Wort Mensch Vernünftigkeit und eine gewisse Gestalt, aber nicht die Zahl und den Charakter der Zähne; im Linnéischen System mitbezeichnet es die Anzahl der Schneidezähne und Hundszähne, nicht aber Vernünftigkeit und eine besondere Gestalt. Das Wort Mensch hat daher, obgleich es gewöhnlich nicht als zweideutig angesehen wird, zwei verschiedene Bedeutungen, weil es zufällig in beiden Fällen dieselben individuellen Gegenstände bezeichnet. Es ist aber ein Fall denkbar, in welchem die Zweideutigkeit augenfällig wird; wir haben uns nur zu denken, es würde eine neue Tierart entdeckt, welche Linnés drei charakteristischen Kennzeichen der Menschheit, aber keine Vernunft und keine menschliche Gestalt besitzen. In gewöhnlicher Sprache würden diese Tiere nicht Menschen genannt werden, aber in der Naturgeschichte müssten sie von den Anhängern der Linnéischen Klassifikation so genannt werden, und es würde die Frage entstehen, ob das Wort ferner noch in der doppelten Bedeutung gebraucht, oder ob die Klassifikation und mit ihr die technische Bedeutung des Wortes aufgegeben werden sollte. Wörter, die sonst nicht mitbezeichnend sind, können in der so eben angeführten Weise eine spezielle oder technische Mitbezeichnung erlangen. So mitbezeichnet das Wort Weiße, wie oft bemerkt, nichts, es bezeichnet bloß das einer gewissen Empfindung entsprechende Attribut; wenn wir aber eine Klassifikation der Farben vornehmen und die in unserer Anordnung der Weiße angewiesene besondere Stelle rechtfertigen oder auch nur bezeichnen wollen, so können wir sie definieren als »die durch die Mischung aller einfachen Strahlen erzeugte Farbe«; und obgleich keineswegs in der gewöhnlichen Bedeutung des Wortes Weiße eingeschlossen, sondern nur als Resultat wissenschaftlicher Forschung bekannt, bildet diese Tatsache doch einen Teil der Bedeutung des Wortes in besonderen Abhandlungen, und wird zur Differentia der Species.32 Die Differentia einer Species kann daher definiert werden als ein Teil der gewöhnlichen oder speziellen und technischen Mitbezeichnung des spezifischen Namens, welcher die fragliche Species von allen anderen Species des Genus, auf das wir dieselbe bei einer besonderen Gelegenheit beziehen, unterscheidet. Nachdem wir mit Genus, Species und Differentia zu Ende gekommen, wird es uns nicht schwer fallen, eine klare Vorstellung von der Verschiedenheit sowohl zwischen den zwei übrigen Prädikabilien, als auch zwischen diesen und den drei ersteren zu erlangen. In der Aristotelischen Ausdrucksweise gehören Genus und Differentia zum Wesen des Subjekts, wodurch, wie wir sahen, in